Im Infoschreiben findet sich ein Begriff, der eigentlich eher beiläufig erwähnt wird. Doch ehrlich gesagt trifft er den Kern dessen, was das dritte Album von THE EXPERIMENTAL TROPIC BLUES BAND ausmacht, perfekt: Epileptic Rock.
Zu 100% analog und vom legendären JON SPENCER produziert, ist „Liquid Love“ die Essenz jener Rebellion, die der heuer leider oftmals viel zu zahme Rock‘n‘Roll eigentlich symbolisieren sollte. Bereits „The Best Burger“ fällt mit seiner Hysterie sofort mit der Tür ins Haus. CHUCK BERRY, BILL HALEY und RAMONES auf Starkstrom, Tische, Stühle und Barhocker fliegen durch den Saal, Bierflaschen zerschellen an den schweißbeschlagenen Wänden, und „Keep This Love“ könnte der perfekte Soundtrack zu einem Roadmovie sein, dessen liebeskranker Protagonist nicht weiß, wohin – hauptsache vörwärts.
Ganz andere Töne schlägt „Worm Wolf“ an, denn das Ding hört sich an, als würden JIMI HENDRIX, PRINCE und THE CLASH gemeinsam in einer Gay-Bar musizieren. Etwas Calypso-Blues-Rock darf man in „T.E.T.B.B.“ bestaunen, und was herauskommen könnte, wenn die legendären KINKS einen Beitrag zu einem Sampler für den nächsten Tarantino-Streifen abliefern würden, zeigt „Can‘t Change“. Der Zweiteiler „Nothing To Prove“ beginnt hingegen mit einer Feedback-Lärm-Orgie, und dann könnte man meinen, ELVIS leide unter Tollwut und habe sich mit dem Speedkonsum etwas überschätzt. Und wären da nicht die Drummachine-Beats, würde das delaylastige „Do It To Me“ auch locker als 50s-Relikt durchgehen.
Jaha, so geht das dann auch den Rest dieses 34-Minüters weiter, und es macht einfach einen Riesenspaß, dem chaotischen, lauten, dreckigen, gerne auch mal an des Knöpfchendrehers BLUES EXPLOSION erinnernden Tohuwabohu zu lauschen.
FAZIT: Anarchie im Rock‘n‘Roll, ja heilige Affenkacke, tut DAS gut. THE EXPERIMENTAL TROPIC BLUES BAND haben heftigst einen an der Waffel, und das ist sehr gut so.
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.02.2012
Dirty Coq - Boogie Snake - Devil D'inferno
Excelsior Recordings
34:38
24.02.2012