Vorab gibt’s hier erstmal den Rock'N'Roll-Musik-Welpen-Bonus, denn das Durchschnittsalter der drei jungen Musikspunde beläuft sich auf knapp 17 Jahre. Hochachtung, meine „Herren“, aber ihr habt seit TOKIO HOTEL durchschaut, womit man heutzutage noch kreischende Teenagerinnen in Ohnmachtsanfälle und Heulkrämpfe treibt.
Und wer dann auch noch eine größere Plattenfirma im Rücken hat und jede Menge Auftritte spielen darf, der kann diese Ohnmachtsfälle in gediegener Regelmäßigkeit genießen. Kein Wunder, wenn sich die drei Jüngelchen in weiße Anzüge zwängen, schwarze Sonnenbrillen und Schlipse mit leichter Mafia-Aura tragen, dann müssen Muttis Lieblinge reihenweise vor der Bühne abtreten. Und Mutti kann euch bestimmt verstehen, denn schließlich sind sie gemeinsam mit Oma ja auch vor vielen, vielen Jahren schon bei solcher Musik, wie sie THE FIRES reanimieren, vor ELVIS PRESLEY oder PETER KRAUS schreiend umgefallen.
Das also ist die „Neue Schule der (Musik-)Wiederbelebung“ des Rock'N'Roll. Sehr viel Schwulst gehört natürlich genauso dazu wie schrecklich naive Texte, die durchaus bei „Hello“ mit 16 „Hello“-Wiederholungen beginnen und der grandiosen Feststellung: „You're the one I want / Cause you are so much fun.“, enden.
Ja, genauso war sie, die Rock'N'Roll-Musik der 50er Jahre, die, wie ich bisher glaubte, niemand mehr so richtig vermisst, bis auf unsere Eltern und Großeltern, als sie noch mit Petticoat und Anzug auf der Tanzbühne rumwirbelten. THE FIRES belehren uns eines Besseren und das ist vielleicht auch gut so, denn die drei jungen Schweizer klingen wie eine Rock'N'Roll- oder Rockabilly-Coverband, selbst wenn Musik und Texte aus ihrer eigenen Feder stammen. „Newschool Revival“ eben, ohne jeglichen Anspruch auf Neues oder Ausgefallenes. Musik aus der Retorte. Just for fun – lautet die erwachsene Botschaft von ein paar Schweizer Jungs, die auf ihrem Video mit dem Cabriolet durch die Gegend düsen, selbst wenn sie noch nicht einmal eine Fahrerlaubnis besitzen.
FAZIT: Wer hätte das gedacht: Der Rock'N'Roll lebt!
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.05.2012
John Lucas
Michael Stevens, Phil Daniels, John Lucas
Michael Stevens
Phil Daniels
K-Tel / DA Music
41:25
18.05.2012