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The Great Old Ones: Al Azif

Stil: Post Black Metal/Ambient

Cover: The Great Old Ones: Al Azif

Post Black Metal. Das hat immer so etwas von „Hey, wir haben diesen pubertären Teufelskram schon lange hinter uns und sind nun etwas Besseres, Elitäres! Ihr Wichte!“, doch im Grunde ist der Sound, den die meisten Bands dieses, äh, Genres um einiges rebellischer und unangepasster als die meisten der uniformierten Black Metal-Bands, die nicht viel mehr tun als verrostete Reinheitsgebote und Szenekodizes zu befolgen. Obwohl, in dem Fall stimmt das mit dem Elitar- und Bessersein ja auch. Ätsch.

Denn auch das französische Quintett THE GREAT OLD ONES schlägt die Waldscheißerfraktion aus menschgewordenen Pandabären mit deren eigenen Waffen, nur dass deren Waffen stumpf geworden sind und die hier vorgestellte Band aufgerüstet hat. Viel frühe EMPEROR schwingen auf „Al Azif“ mit, ebenso erinnert das Album an manchen Ecken wie eine rohere, loser strukturierte Version von DEKADENT. In seinen disharmonischeren Momenten spritzen ein paar BLUTflecken AUS NORD aus den Speakern, und gelegentlich versteckt sich der Fünfer sogar mal hinter einer DIABOLICAL MASQUERADE. Oder es wird ein DEATHSPELL OMEGA ausgesprochen. Oder VED BUENS ENDE heraufbeschwört.

Das halbe Dutzend aus zwischen fast sieben und knapp zehneinhalb Minuten langen Songs geht allerdings weit über diese Bandvergleiche hinaus, da viele Melodie- und Akkordverläufe auf der Scheibe alles andere als typisch für die aufgezählten Bands sind und einzig und allein als ein Trademark der THE GREAT OLD ONES gelten können. Das unheimlich atmosphärische, dunkelschwarze und doch von erhebender Schönheit erfüllte Debüt ist eine Sturmflut der überwältigenden Klänge, die einen Schwall für Schwall erfassen, und immer, wenn es sich etwas beruhigt hat und feine Ambientpassagen begrenztes Luftholen zulassen, schwappt die nächste meterhohe Woge über den Hörer und reißt ihn in ihren Sog.

Und immer, wenn man denkt, jetzt habe die Band alles gesagt, überrascht das nächste Stück mit neuen Facetten - man höre nur mal die erste Eruption im vierten Song „Rue d'Auseil“, die beinahe chansonesk anmutet - nur, dass hier keine Dame von einem Klavier begleitet singt, sondern verwaschene Gitarren und Schlagzeug den Ton angeben - die Augenbrauen schieben die Stirnfalten immer wieder nach oben, und so sitzt man mit geschärften Sinnen bis zur letzten Minute da und saugt Ton für Ton in sich auf.

Großes Lob muss man hierbei auch Alan Douches aussprechen, der der Band durch sein Mastering einen Sound gezaubert hat, der modern, traditionell, organisch, transparent und nebulös zugleich ist, ebenso Cyrille Cachet, verantwortlich für die Produktion und den Mix. Dank den zweien entwickelt das höllisch intensive Treiben des 52-Minüters ein Eigenleben, das fasziniert. So, als wäre man ein Taucher, der zum ersten Mal die schillernd bunten Korallenriffs aus nächster Nähe zu sehen bekommt.

FAZIT: „Al Azif“ darf man ohne schlechtes Gewissen zu einem der stärksten Releases aus dem (erweiterten) Schwarzmetallsektor erkiesen. Sollen die selbsternannten Experten doch sagen, was sie wollen. Bis die Kommentarbox explodiert...

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 12.05.2012

Tracklist

  1. Al Azif
  2. Visions Od R'Lyeh
  3. Jonas
  4. Rue d'Auseil
  5. The Truth
  6. My Love For The Stars (Cthulhu Fhtagn)

Besetzung

  • Bass

    Sébastien Lalanne

  • Gesang

    Benjamin Guerry, Jeff Grimal

  • Gitarre

    Benjamin Guerry, Jeff Grimal, Xavier Godart

  • Schlagzeug

    Léo Isnard

Sonstiges

  • Label

    Ladlo Productions

  • Spieldauer

    52:22

  • Erscheinungsdatum

    27.04.2012

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