Eppelheim? Das „Eppele“, in dem ich von 1982 bis 1989 gelebt habe? Tatsächlich. Aus jenem Städtchen stammen die vier JUNKTONES, welche sich dem Punk Rock und dem melodischen Hardcore der Frühachtziger verschrieben haben, genauer gesagt den Sounds, wie sie seinerzeit BAD RELIGION, DEAD KENNEDYS, MINOR THREAT, BLACK FLAG und Co. fabriziert haben.
Gerade hinsichtlich der organischen Produktion haben die Jungs eine gute Wahl getroffen, denn „American Paranoia“ versprüht den Charme einer dreißig Jahre alten Vinylplatte, die noch immer mehr Power besitzt als so mancher aktueller, glattgeleckter Genretonträger aus dem Jetzt. Die Songs selbst überraschen angesichts der eben getätigten Kategorisierung kaum, sind aber mehr als nur solide Punkrock/Hardcore-Küche und knallen richtig gut, vor allem auch deshalb, weil trotz des überwiegend hohen Tempos Abwechslung geboten ist - teilweise auch durch unerwartete Breaks innerhalb der Songs selbst.
So weit, so gut. Als Mankos sind bei all der feinen Musi leider zum einen der Gesang, denn der klampfende Mikrofonmann Tony Baloney tönt manchmal etwas zu schwach auf der Brust, zu möchtegernrotzig und zu wenig abgeklärt. Zum anderen sind die Texte oftmals fremdschamfördernd und werden phonetisch noch sehr „denglisch“ vorgetragen. Gerade Letzteres ist irgendwie ulkig, denn: Wieso hat jemand, der aus South Carolina stammt, einen solch heftigen deutschen Akzent?
FAZIT: Man hört THE JUNKTONES ihren Spaß an der Sache deutlich an, doch noch haftet den Buben etwas zu viel Provinzmief in den abgewetzten Klamotten. Um da herauszukommen, sollte noch etwas mehr Augenmerk auf die Texte sowie deren Vortragsweise gerichtet werden - denn rein musikalisch kann man absolut nichts Negatives vermerken.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 25.04.2012
Bootsy
Tony Baloney
Tony Baloney, Sean E. Cash
Tater Todd
FinestNoise
32:50
27.04.2012