„Was bitte denken Emerson???“, würde wohl ein Ex-Fußballtrainer von Bayern München nach dem Hören dieser CD wutentbrannt ausrufen.
„Das klingt ja wie Flaschen leer!“, muss ich in dessen Duktus noch hinzufügen, weil ich ganz selten schon beim ersten Hördurchgang dermaßen ungläubig mit dem Kopf geschüttelt habe. Denn wer bitte hätte jemals geglaubt, dass ein Mitglied der symphonischen Rock-Legende Emerson, Lake & Palmer auf die abstruse Idee kommt, deren Musik, die Klassik und Rock zu faszinierendem Kunst-Rock verband, erneut zu adaptieren und auch noch gemeinsam mit einem Rundfunk-Orchester aus dem (Bundes-)Land der Lederhosen, Dirndl und Oktoberfeste einzuspielen.
Also: Klassik + Rock + orchestrale Rundfunk-Klassik = „Three Fates“!
Was auch immer KEITH EMERSON geritten haben möge, er sollte schleunigst von diesem Pferd abspringen, das im Galopp die pure Musikleichen-Fledderei betreibt und ELP am Ende nur klassisch verulkt. Weitere unangenehme Reiter sind hierbei für den Rock-Anteil MARC BONILLA, eigentlich ein Ausnahmegitarrist mit jeder Menge Hardrock-Erfahrung, und den orchestralen Anteil TERJE MIKKELSEN, ein norwegischer Klassik-Dirigent, der bei dieser ELP-Klassik-Resteverwertung das MÜNCHNER RUNDFUNKORCHESTER leitet.
So oft ich diese Klassik-Rock-Adaptionen einer ehemaligen Art-Rock-Band auch höre, wirft sich jedes Mal bei mir die Frage auf: „Was bitteschön werden wohl ein GREG LAKE und ein CARL PALMER von diesem Machwerk halten?“ Nicht umsonst enthält das ausführliche Booklet zu dieser CD, das sich mit Lobhuldigungen und genausten Angaben zu jedem einzelnen Titel überschlägt, nicht einen einzigen Kommentar der Herren L & P!
Dafür gibt es auf der letzten Seite aber ein Foto zu sehen, auf dem man die komplette KEITH EMERSON BAND samt Münchner Rundfunkorchester (63 Musiker!) bewundern darf, welches einen irgendwie irre dreinblickenden Emerson mit weit aufgerissenem Mund und einen Haufen klassisch ausgebildeter und zutiefst gelangweilt dreinblickender oder krampfhaft lachender Musiker zeigt, die ein wahrhaftes „Not amused“-Feeling ausstrahlen.
Auch ich saß wohl mit einem ähnlichen Gesichtsausdruck nach dem ersten Hören von „Three Fates“ vor meinem CD-Player. Kein Wunder, denn in meinem Kopf geisterten zwei Fragen herum: „Warum nur hat die Emerson-Musik-Gemeinde sich an den alten ELP-Klassikern vergreifen müssen?“ und „Warum habe ich mir vorm Hören dieses Albums auch noch zuerst die ELP-Originale angehört?“ Das war ein großer Fehler, denn hierdurch erschließt sich für jeden Fan von „Endless Enigma“ über „Tarkus“ und „Abbadon's Bolero“ bis „Fanfare For The Common Man“ das wahre Ausmaß dieses Machwerks aus schwülstiger Klassik in Verbindung mit belanglosem Rock. Nicht ganz so weh tuen dabei die fünf Eigenkompositionen, alle so um die 3 bis 6 Minuten lang, die einem wenigstens nicht das Andenken an die Hoch-Zeit von ELP zerstören!
Dass KEITH EMERSON „Three Fates“ auch noch als „sein wichtigstes Werk seit den glorreichen Tagen von ELP“ bezeichnet, lässt mich zumindest an seinem Geistes- und Gemütszustand zweifeln. Und ich weiß, dass solche unverschämte Aussage beleidigend klingt, aber auch ich bin beleidigt, weil man hier garantiert den Fans von ELP eine Scheibe zum Fraß vorwirft, die sie kaufen, hören und auf ewig in ihrem CD-Regal versenken werden, in der Hoffnung, dass sich eine dicke Staubschicht darüber ausbreitet, bis man nichts mehr von diesem einfallslosen Cover erkennen und schon gar nichts mehr von dieser Musik hören kann. Ashes To Ashes – Dust To Dust!
Wenn an diesem Album überhaupt etwas halbwegs zu überzeugen weiß, dann noch das „Fanfare For The Common Man“-Ende, weil hier zuerst die rein klassische Komposition von Aaron Copeland, intoniert durch das Münchner Rundfunkorchester, der reinen Rock-Variante, gespielt von der Keith Emerson Band, gegenübergestellt wird. Vielleicht hätte man auch ganz ähnlich mit den anderen ELP-Kompositionen verfahren sollen – so aber ist als letztes FAZIT „Three Fates“ kein wichtiges, sondern ein komplett überflüssiges Werk geworden!
Punkte: 5/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.12.2012
Travis Davis
Marc Bonilla
Keith Emerson
Toss Panos
The Münchner Rundfunkorchester, Terje Mikkelsen (Dirigent)
earMUSIC / Edel
63:25
02.11.2012