THE LAST THREE LINES sind eine der heißesten Bands Spaniens – meinen zumindest wir nach Genuss dieser Scheibe. Da stört es auch nicht weiter, dass man sich mit dem Cover bei KING CRIMSON vergriffen hat.
Die Combo aus Barcelona versteht sich auf spacigen Rock mit psychedelischer Note. Über dem flächigen, dennoch konkret songorientierten Sound der Jungs thront die zerbrechliche Charakterstimme von Xavi Bartrina, und wenn die Jungs gemeinsam fisteln, meint man vor dem Hintergrund kompositorischer Fabelleistungen, es mit verschollenen Stücken von John Frusciante zu tun zu haben. Dem Titeltrack, „Lonely Parade“ sowie der akustischen Ermutigungshymne „Sleepwalker“ haftet etwas Erhabenes und dennoch Nahbares an, „Your Bruising Charm“ eine Sehnsucht ins Unendliche.
„Andromeda“ klingt wie ABBA in einer Urwald-Disco, „Black Sea“ oder „Trail of breadcrumbs“ wie Brian Wilson, wäre er ein Latino. „Paradigm of Fools“ hingegen dürfte auch Fans der letzten Ergüsse von PURE REASON REVOLUTION gefallen, wenngleich THE LAST THREE LINES organischer tönen, insgesamt vielleicht einen Tick verhuschter – und wie heißt überhaupt das Lied, mit dem sie nach etwas Leerlauf noch einmal Gänsehaut erzeugen? Eine positive Frechheit …
FAZIT: „Visions From Oniria“ ist ein traumhaftes Stück Indie-Rock für den Kopfhörer wie die Slacker-Party geworden, das – für Spanien selten – international seinesgleichen sucht. New Psychedelia kann tatsächlich neu klingen, ohne dem guten Alten im Ecstasy-Hedonismus den Rücken zu kehren.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.01.2012
Sergio Pardo, Jordi Ayuste, Marc Mateu, Daniel Gil, Raúl Martínez, Xavi Bartrina
Aloud Music /Astoria /Narshardaa
50:01
13.01.2012