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The Mystery: Apocalypse 666

Stil: Power Metal

Cover: The Mystery: Apocalypse 666

Sachen gibt’s. Da hört man „Apocalypse 666“, das dritte Album von THE MYSTERY, bestimmt 15, 20 Mal. Aber erst, als man den Infozettel zur Hand nimmt, realisiert man, dass bei den nordrhein-westfälischen Power Metallern eine Frau am Mikrofon steht. Respekt, Iris Boanta – mit Trällerelsen-Sound hat das definitiv gar nichts zu tun.

Würde auch nicht zur Musik passen, wenn die ebenso hübsche wie stimmgewaltige Sängerin einen auf Tarja Turunen machen würde. Die Frontfrau, hier erstmals bei THE MYSTERY aktiv, singt auch noch in der All-Girl-AC/DC-Coverband BLACK THUNDER LADIES, womit schon mal ein dezenter Hinweis darauf gegeben ist, welch stimmliches Timbre hier geboten wird. Kraftvoll, rau, mitreißend. Aber bei weitem nicht so eindimensional, wie man das vielleicht beim Stichwort AC/DC erwarten und befürchten würde. Stattdessen serviert die Sängerin einen von vorne bis hinten stimmigen Mix aus Powershouts, tiefen Krächzpassagen, whiskeygetränker Reibeneisenstimme und melodischen Parts.

Das alles wäre natürlich nichts wert, wenn die Musik nur vor sich hin plätschern würde. Tut sie aber nicht. Geboten wird stattdessen feinster Power Metal, der zwischen Europa und Amerika pendelt. Zackig, rassig, oftmals messerscharf. Etwas ganz anderes als dieser heutzutage so angesagte Lullikram, der mit wachsweichen Käserefrains nach zwei Durchläufen klebrig-ekelig in den Gehörgängen hängen bleibt. Nein, hier treibt die Doublebass die Songs nach vorne, die Gitarren liefern sich feinste Duelle in IRON-MAIDEN-Manier oder schreddern munter durch die Botanik. Ansonsten erinnert das Songmaterial des häufigeren an Hochkaräter wie MYSTIC PROPHECY oder FIREWIND, was insbesondere für den mehr als gelungenen Spagat zwischen gesunder Härte und einprägsamen Melodien gilt.

Schwachstellen muss man tatsächlich mit der Lupe suchen. Hier und dort sind die Refrains ein kleines bisschen zu einfallslos, bieten nicht mehr als sich simpel mehrfach wiederholende Wortkombinationen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn ansonsten zeigen THE MYSTERY, was ein amtliches Heavy-Metal-Brett ist. Vom Uptempo-Kracher wie dem eröffnenden Titeltrack, eingängigen Ohrwürmern wie „Ride On“ oder melancholischen Brechern wie „In Heaven Or Hell“ hat „Apocalypse 666“ wirklich alles an Bord.

FAZIT: „Apocalypse 666“ ist eine faustdicke Überraschung. Power Metal, wie er im Buche steht – und wie man ihn heutzutage viel zu selten hört – sowohl, was die stilistische Ausrichtung als auch die Qualität betrifft. Kaufen!

Punkte: 13/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.09.2012

Tracklist

  1. Doomsday Prophecy
  2. Apocalypse 666
  3. Outlaw
  4. Blackened Ivory
  5. Nailed To The Cross
  6. Death's Lullaby
  7. War Cry
  8. Ride On
  9. Ca$hgame
  10. In Heaven Or Hell
  11. Assaulted Minds
  12. The Great Escape

Besetzung

  • Bass

    Christian Jesko Rüther

  • Gesang

    Iris Boanta

  • Gitarre

    Alex Thunder Martin, Stefan Weitzel

  • Schlagzeug

    Daniel Kahn

Sonstiges

  • Label

    Pure Legend Records

  • Spieldauer

    48:27

  • Erscheinungsdatum

    07.09.2012

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