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The Nest: Music For Drivers

Stil: Experimental/Jazz/Noise

Cover: The Nest: Music For Drivers

Gerade findet in Kassel die „documenta 13“ statt, und die Gemüter sind einmal mehr erhitzt: Ist das noch Kunst, was die dort fabrizieren? Oder ist das einfach nur sinnfreier Schrott? Ganz ähnlich dürfte es aussehen, wenn so mancher Release des rührigen Bochumer Denovali-Labels zur Diskussion bereit steht. So wie zum Beispiel „Music For Drivers“, das Debüt der Quasi-All-Star-Gruppe THE NEST.

BOHREN & DER CLUB OF GORE-Saxophonist Christoph Clöser, DESMOND DENKER-Synthesizerwizard Tycho Schottelius sowie zwei Mitglieder von TANNHÄUSER STERBEN & DAS TOD haben hier in diversen improvisierten Livesessions in Köln ein experimentelles Klangkonglomerat erschaffen, das von Saxophonlinien gemäßigter Art bis zu freejazzigem Geblase nach Semi-Zufallsprinzip, von leisen Sounds bis zu fiesen Noises, von kaum definierbaren Samples bis zu Sounds mitten aus dem Leben, von fast harmonischen Sprengseln bis zu kakophonen Gebilden, von relaxtem Wabern bis zu hektisch-abgehacktem Akustikmassaker so ziemlich alles bietet, was gängigen Musikschemata völlig entsagt.

Das hört sich manchmal wunderschön an, dann aber wieder seltsam, widerlich, und auf angenehme Klänge folgen wieder richtig verstörende, kranke, destruktive. Nun muss selbstverständlich jeder für sich selbst entscheiden, was er diesem über einstündigen nonkonformistischen Werk abgewinnen kann. Entweder man lauscht fasziniert oder zumindest mit gespitzten Ohren dem Treiben - oder man gibt nach wenigen Minuten resigniert und genervt auf. Da der Rezensent sich früher einmal mit einem anderen Musiker in stellenweise ähnlichen Gefilden herumgetrieben hat, spielt im Falle dieser Rezension möglicherweise eine gewisse Sympathie mit, doch auch wenn man mit solcherlei Klanggut nichts anfangen kann, so sollte der Respekt vor dem Andersartigen stets präsent sein. Und hier schließt sich der Kreis zur Einleitung, denn: Kunst darf alles, und Kunst kann alles sein - auch das, was sich dem Kunstverständnis jedes Einzelnen entzieht.

FAZIT: Muss man mögen. Ich tu's.

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.07.2012

Tracklist

  1. Music For Drivers

Besetzung

  • Bass

    Gerald Mandl

  • Gesang

    Thomas Mahmoud

  • Keys

    Tycho Schottelius

  • Sonstiges

    Christoph Clöser (Saxophon), Tycho Schottelius (Synthesizer), Thomas Mahmoud (Field Beats, Effekte), Gerald Mandl (Effekte, Moodswinger)

Sonstiges

  • Label

    Denovali Records

  • Spieldauer

    62:20

  • Erscheinungsdatum

    26.07.2012

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