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The Pineapple Thief: All The Wars

Stil: Art Rock

Cover: The Pineapple Thief: All The Wars

Es sind oft nur kleine Rädchen, die den feinen Unterschied zwischen „hui“ und „najagehtso“ ausmachen. Bestes Beispiel: Die Neue von THE PINEAPPLE THIEF. Natürlich hat Bruce Soord nicht auf Gemecker wie das meine über die letzte Platte gehört, und warum sollte er auch, sie ist schließlich allgemein recht gut angekommen. Erwartungsgemäß bleibt er zum dritten Mal in Folge seiner Linie treu und kratzt sich reichlich Palm Mutes von den Saiten, um eine tonlosere, härtere, kühlere Stimmung erzeugen als in der Prä-„Tightly Unwound“-Ära. Und obwohl sich Soord in seiner Herangehensweise kaum beirren lässt und nur Details gegenüber seinem m.E. enttäuschenden Vorgänger „Someone Here Is Missing“ verändert, gelingt ihm diesmal wieder ein überraschend starkes Album.

Gut, ein nicht ganz so unbedeutendes neues Detail ist der Einbau eines Orchesters. Das ist allerdings sehr dezent und geschmackvoll arrangiert und legt vor allem keine Omnipräsenz an den Tag, denn es wird nicht wahllos in jeden Song gepfeffert. Auf „Burning Pieces“ und „Warm Seas“ lässt es sich beispielsweise noch gar nicht blicken, hier wird nahtlos an die letzte Platte angeknüpft und mächtig gerockt. Erst später schmiegt es sich mit einem Indikatoreffekt in die Stücke und verstärkt insbesondere die Wirkung der zarten Momente. Das beginnt unauffällig, als Streicher die Gesangslinien Soords im Mittelteil von „Last Man Standing“ zu untermalen beginnen und sich zum Crescendo hin erregen, nur um gleich wieder humorlos mit dem simplen Rock-Refrain gebrochen zu werden.

Fest steht dann auch bald, dass die stickigen Hard-Rock-Riffs wieder gekonnt mit der intimen Songwriter-Atmosphäre verbunden werden, die man von den Ananasdieben seit jeher kennt. „All The Wars“ lebt vor allem davon, dass griffige, einfache Songideen endlich wieder den Kern bilden und von den harten Elementen nur noch akzentuiert anstatt von ihnen in Gestalt formloser Linienführung abgelöst werden.

Allen voran pirscht der Titeltrack: So etwas Liebliches, auf positive Art Kitschiges haben wir seit „What We Have Sown“ nicht mehr gehört. Die Grundlage bildet lediglich Soords traurige Stimme, eine aus drei Akkorden bestehende Akustikgitarre und ein gleich bleibender, beruhigender Schlagzeugrhythmus. Genauso „Someone Pull Me Out“ und „One More Step Away“. Stücke wie Treibsand, dessen Sog von den orchestralen Hilfsmitteln verstärkt wird. In diesen Momenten kehrt der Genuss des Stillstands zurück, wegen dem THE PINEAPPLE THIEF immer wieder gerne mit ELBOW oder den frühen PORCUPINE TREE verglichen werden – die Freude am Stillleben, die der ruhelose Steven Wilson nicht mehr zu kennen scheint.

FAZIT: Ein fester Schlag aufs Uhrwerk hat also schon gereicht, um die Kiste wieder zum Laufen zu bringen. Auf „All The Wars“ ist endlich wieder alles im Fluss. Bruce Soord ist halt doch immer noch ganz der alte Songschreiber. Seine Ausflüge ins härtere Fach sind eigentlich gar keine, er verschiebt eben nur manchmal die Anteile. Und letztendlich sind wir wieder da ausgekommen, wo wir herkamen. Hat dieser Gedanke nicht irgendwie manchmal eine beruhigende Wirkung?

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.08.2012

Tracklist

  1. Burning Pieces
  2. Warm Seas
  3. Last Man Standing
  4. All The Wars
  5. Build A World
  6. Give It Back
  7. Someone Pull Me Out
  8. One More Step Away
  9. Reacheing Out

Besetzung

  • Bass

    Jon Sykes

  • Gesang

    Bruce Soord, Jon Sykes (Backing), Keith Harrison (Backing)

  • Gitarre

    Bruce Soord

  • Keys

    Steve Kitch

  • Schlagzeug

    Keith Harrison

  • Sonstiges

    Prague Philharmonic Orchestra (Orchester)

Sonstiges

  • Label

    kscope

  • Spieldauer

    44:37

  • Erscheinungsdatum

    07.09.2012

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