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The Pogues: The Pogues In Paris - 30th Anniversary Concert At The Olympia

Stil: Versoffene Live-Musik zwischen Folk, Punk und Peinlichkeit!

Cover: The Pogues: The Pogues In Paris - 30th Anniversary Concert At The Olympia

Ist das nun eine beeindruckende oder nur erschütternde DVD von einem (genauer wohl zwei) Konzert(en), die zumindest einige Fragen aufwirft, ohne jedoch Antworten zu geben?

Am Montag und Dienstag, dem 11. und 12. September 2012, eroberten die POGUES in Paris die Bühne des komplett ausverkauften Olympias zu ihrem „30th Anniversary Concert“. Im Gepäck hatten sie fast alle Pogo-Gassenhauer, die sie seit 30 Jahren nach und nach beinahe zur Legende werden ließen, wenn's da nicht mindestens ein menschliches Problem geben würde, für welches es damals wie heute wohl keine Lösung mehr zu geben scheint.

Die Musik an sich, sieht man mal vom Gesang ab, beeindruckt und lässt Erinnerungen an die glorreiche Zeit aufkommen, als die POGUES in den 80er Jahren mit ihrer faszinierenden Mischung aus Folk und Punk sowie Coverversionen und Traditionals, die man eher mit Irland als England in Verbindung brachte, nicht nur begeisterten, sondern auch eine ganz einzigartige, charismatische Musikmixtur schufen, in der Mandolinen, Tin Whistles (irische Flöte), Zithern, Trompeten, Drehleiern, Akkordeons, Banjos, Bodhrán, Ziehharmonikas und Mandolas völlig gleichberechtigt oder sogar überlegen neben dem klassischen Rockinstrumentarium zum Einsatz kamen. Musik mit irischem Lebensgefühl, die jeden Pub zum Beben bringt und sogar heutzutage noch riesige Konzerthallen füllt. Allerdings scheint eine Bestuhlung solcher Hallen strikt verboten, denn die größtenteils männlichen Fans müssen tanzend dabei so richtig die Sau rauslassen können – eine Sau, die Pogo heißt und sich auf- und abhüpfend eine Schneise durch die ihren Urinstinkten folgenden Menschenmassen schlägt. Kein Wunder, dass die POGUES eine Vorbildrolle für die LIBERTINES, FLOGGING MOLLY oder DROPKICK MURPHY einnahmen. Aber sie hinterlassen auch heute noch so einige „verbrannte Erde“. So schmerzhaft diese Erkenntnis auch sein mag, sie ist auf „The Pogues In Paris“ unverkennbar. Und egal für welche dieser unterschiedlichen Ausgaben zum Konzert man sich auch entscheidet, am Ende bleibt so ein komisches Gefühl im Magen hängen.

Und wo wir schon bei den unterschiedlichen Veröffentlichungen dieses Konzerts sind, will ich es natürlich nicht versäumen, diese hier aufzuzählen. Möge jeder nach Geldbeutel oder „Fan“atismus selbst entscheiden, welche dieser Veröffentlichungen für ihn die beste ist. „The Pogues In Paris“ ist erhältlich als:
DVD
Blu-ray
Doppel-CD + Doppel-DVD mit 25 Live-Titeln auf den beiden Audio-CDs und einer Bonus-DVD mit rarem Doku-Material aus dem Jahr 1986, samt einem Buch voller Fotos von Steve Pyke und Erinnerungen von Shane MacGowans Schwester Sioban MacGowan.
Auszüge aus diesem Buch kann man auch in dem 12-seitigen Begleitheft der DVD/Blu-ray lesen, das voller Erinnerungen an die POGUES und deren Konzerte gespickt ist.
Die Ton- (Stereo und Dolby-Digital-5.1) und Bildqualität ist schlicht und ergreifend hervorragend und ohne jeglichen Makel, egal ob die Musiker, Bühnen-Impressionen oder das Publikum in Szene gesetzt wird.

Zwei Stunden lang dürfen wir neben der musikalischen Rückschau an die besten Zeiten der POGUES zugleich erleben, was jahrelanger Alkoholismus aus einem Sänger hat werden lassen, den man, statt ihn auf die Bühne zu quälen, besser in Therapie und stationären Entzug hätte schicken sollen. SHANE MacGOWAN ist eine auf der Bühne zur Schau gestellte, umherwandelnde, rauchende und saufende, dunkle Sonnenbrille tragende Schnapsleiche, deren Ansagen und leider auch Gesang gelallt dem unerschütterlichen, Pogo tanzenden Publikum entgegen hallt. Selbst sein Lachen klingt nur noch wie das Aufziehen einer blechernen Wackelfigur oder diese Krümelmonster-Lache bei Ernie & Bert. Am Ende ist McGowan nichts Anderes als ein krankes singendes Wrack, das wahrscheinlich irgendwann, genauso wie 1991 bei einem Auftritt in Tokio, auf der Bühne zusammenbrechen wird. Dann aber wohl zum endgültig letzten Mal. Dann braucht die Band ihn nicht noch einmal rauszuwerfen, so wie nach dem durch Drogen und Alkohol hervorgerufenen Zusammenbruch 1991, sondern nur noch zu begraben.

Am Ende des Konzerts zerschlägt SPIDER STACY voller Leidenschaft oder Gewalt eine Gitarre auf dem Bühnenboden. Die Trümmer des Musikinstruments schiebt MacGowan, während der letzte Song „Fiesta“ ausklingt, mit den Füßen vor sich her. Genauso als würde er die Trümmer seines an Süchten reichen Lebens vor sich herschieben, nachdem er zuvor bei „Fairytale Of New York“ noch mit torkelndem Tanzschritt seine Duett-Partnerin ELLA FINER zu führen versuchte. MacGowan hat alles verloren – seine Stimme, seine Unabhängigkeit, sein Kompositionstalent und vor allem sich selbst. „The Pogues Live In Paris“ ist das bildgewordene Trauerspiel einer Band geworden, die um das Leben ihres Sängers bangen sollte.

FAZIT: Ein Geburtstagskonzert der POGUES zu ihrem 30., bei dem man in der Ferne schon die Totenglocken läuten hört. Mehr sehens- als hörenswert, jedoch als Zeitdokument und Warnung hervorragend geeignet!

Erschienen auf www.musikreviews.de am 08.12.2012

Tracklist

  1. Streams Of Whiskey
  2. If I Should Fall From Grace With God
  3. The Broad Majestic Shannon
  4. Greenland Whale Fisheries
  5. A Pair Of Brown Eyes
  6. Tuesday Morning
  7. Kitty
  8. The Sunnyside Of The Street
  9. Thousands Are Sailing
  10. Repeal Of The Licensing Laws
  11. Lullaby Of London
  12. The Body Of An American
  13. Young Ned Of The Hill
  14. Boys From The County Hell
  15. Dirty Old Town
  16. Bottle Of Smoke
  17. The Sickbed Of Cúchulainn
  18. = Erste Zugabe =
  19. Sally MacLennane
  20. Rainy Night In Soho
  21. The Irish Rover
  22. = Zweite Zugabe =
  23. Star Of The County Down
  24. Poor Paddy On The Railway
  25. Fairytale Of New York
  26. Fiesta
  27. Bonus: Thousands Are Sailing (aufgenommen am 16. Dezember 2006 in der Manchester MEN Arena)

Besetzung

  • Bass

    Darryl Hunt

  • Gesang

    Shane MacGowan, Spider Stacy, Jem Finer, Andrew Ranken, Philip Chevron, Darryl Hunt, Terry Woods

  • Gitarre

    Jem Finer, James Fearnley, Philip Chevron, Terry Woods

  • Keys

    James Fearnley

  • Schlagzeug

    Andrew Ranken

  • Sonstiges

    Spider Stacy, Pete Fraser, Dan Gale-Hayes, Ian Williamson

Sonstiges

  • Label

    Universal Music

  • Spieldauer

    106:00

  • Erscheinungsdatum

    16.11.2012

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