Nein, diese Dänen sind nicht arrogant, weil sie diese Scheibe in England längst veröffentlicht haben (in Europa gibt es dafür Bonustracks); THE RUMOUR SAID FIRE klingt als Name nach zu spät gekommenem Irgendwas-Core, als Band jedoch wie ein einigermaßen eigenständiger Wiedergänger von THE SHINS oder FLEET FOXES.
Aufgrund des Harmoniegesangs kommen SIMON & GARFUNKEL ebenfalls schnell in den Sinn, aber die oft perkussive Rhythmusarbeit gemahnt im Verbund mit den teils instrumental üppig aufgezogenen Tracks (vor allem zu Beginn der Scheibe) an diverse Indie-Folk-Kollektive, wenngleich THE RUMOUR SAID FIRE stilistisch niemals ausscheren, allenthalben in verhalten tanzbare Gefilde oder hin zu seichtem Americana-Sound („Sanctuary“). Die jungen Musiker dürften, dies sei vage prophezeit, in Zukunft verstärkt auf kräftigeres Spiel und kompaktere Arrangements setzen wie während „Passion“ oder „She“, denn auf Dauer den Gutmenschen hervorzukehren (Titelstück, „Comfort to the Dalai Lama“), schadete selbst den Großen an der akustischen Gitarre auf Dauer.
Davon abgesehen punktet die Gruppe mit dem schrulligen „Desolation, Mr Foe“, ihrem Konsens-Stück „The Balcony“ sowie überdurchschnittlicher Handwerkskunst, die dennoch keine Emotionen niederdrückt. Will heißen: THE RUMOUR SAID FIRE spielen variantenreichen Alternative-Folk mit alten Tugenden in neuen Songs, die allgemeingültige Themen verarbeiten und darob bisweilen noch beliebig klingen.
FAZIT: „The Arrogant“ hieße passender „The Lovely“, den THE RUMOUR SAID FIRE wirken zu gut für diese Welt, so man ihre sehnsuchtsvolle, mitunter naive Musik hört. Wer Joel Alme oder den progressiv ausscherenden Conor Oberst mag beziehungsweise zu BEACH HOUSE schmachtet, findet hier eine neue Liebe. In Zukunft bitte mehr Eigenständigkeit und weniger Weltfremde.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.06.2012
Kasper Nissen
Søren Lilholt, Jesper Lidang
Søren Lilholt, Jesper Lidang
Christian Rindorf
Alarm / Believe
51:38
29.06.2012