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The Very End: Turn Off The World

Stil: Thrash Metal

Cover: The Very End: Turn Off The World

Da locken THE VERY END den Hörer in „Splinters“, dem Opener ihres dritten Albums „Turn Off The World“, doch glatt auf die falsche Fährte. Deutsche Lyrics? Doch keine Bange: Die Ruhrpott-Thrasher bleiben abgesehen von dem Einstiegsreim

<i>Eins, zwei, drei, vier – the very end is here
We try to leave but someone´s locked all the doors
Fünf, sechs, sieben, acht – wer hat´s kaputtgemacht?
We try to forget but there is blood on the floor </i>

der englischen Sprache durchgehend treu. Und das ist natürlich auch gut so.

Auch ansonsten bleiben sich THE VERY END gottseidank von vorne bis hinten treu. Und das bedeutet: Eine gute Dreiviertelstunde gibt es hochklassigen Thrash Metal, der so variabel und abwechslungsreich klingt wie bei kaum einer anderen Band. Im besagten Opener „Splinter“ gehen Presslufthammer und Chirurgenskalpell eine unheilvolle Allianz ein, im hochmelodischen „Maelstrom Calling“ (Hit!) werden Gänsehautmelodien aufgefahren, die auf früheren MERCENARY-Alben bestens aufgehoben gewesen wären. Und zwischen diesen beiden Extremen – knüppelhart und voll ins Gesicht auf der einen, melancholisch und melodisch auf der anderen Seiten – pendeln die Jungs um Sänger Björn Gooßes, der vom fiesen Death-Metal-Grunz bis zum Gothenschmelz alles drauf hat.

Sicher, es ist ein ausgelutschter Spruch, dass „die Extreme weiter ausgelotet“ werden. Aber auf „Turn Off The World“ trifft genau das zu. Bei den harten Parts wurden weiter die Daumenschrauben angezogen, die sanften Momente wurden noch mehr mit Streicheleinheiten versehen. Die Band hat ihren Stil gefunden, lässt sich aber auch weiterhin nicht auf einen Stil festnageln. Wer kann das schon von sich behaupten?

FAZIT: Härte, Melodie, Groove – die drei Pfeiler, auf deren Stabilität sich das Konzept von THE VERY END stützt, sind so massiv ausgeprägt wie nie. Messerscharfe Riffs und Maschinengewehr-Drumming funktionierten in unmittelbarer Nachbarschaft zu subtilen Melodien, epochale Faustschläge mit dem Punch der Klitschko-Brüder und fragile Nachdenklichkeit schließen hier einen Bund für die Ewigkeit. Scheinbar Widersprüchliches funktioniert Hand in Hand, und die Schublade, in der THE VERY END am Ende des Tages eben doch gesteckt werden, trägt zwar den Titel „Thrash Metal“, gibt die musikalische Vielfalt dieser Band aber nur unzureichend wieder. Was für ein Brett!

Punkte: 13/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.11.2012

Tracklist

  1. Splinters
  2. Iron Sky
  3. Infidel
  4. The Black Fix
  5. Maelstrom Calling
  6. Sixes And Nines
  7. The Last Mile
  8. Dreadnought
  9. Gravity
  10. Orphans Of Emptiness
  11. To Feed On Hope

Besetzung

  • Bass

    Marc Beste

  • Gesang

    Björn Gooßes

  • Gitarre

    René Bogdanski, Alex Bartkowski

  • Schlagzeug

    Daniel Zeman

Sonstiges

  • Label

    Steamhammer/SPV

  • Spieldauer

    47:11

  • Erscheinungsdatum

    23.11.2012

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