Auch für dieses Album wurden THRESHOLD von der Presse gebauchpinselt, doch rückblickend darf man sagen, dass die Band seinerzeit Spannungen ausgesetzt war, was sich sowohl in den weniger leichtfüßig komplex (!) arrangierten Stücken äußert als auch beim im Original grottenschlechten Cover. „Extinct Instinct“ wirkt teilweise unfertig, was bei dieser Band aber immer noch für ein überdurchschnittliches Album reicht.
Nachdem Glynn Morgan die Gruppe mit dem Vorgänger „Psychedelicatessen“ sehr stark dastehen ließ (Hardliner mögen widersprechen), genügt Rückkehrer Damien Wilson sich selbst und der Hintermannschaft gleichermaßen. Schon der gleichwohl farbenfrohe (weil zerfahrene) Opener „Exposed“ erscheint als Schritt zurück zu „Wounded Land“ dessen „Consume To Live“ in „The Whispering“ sogar bewusst zitiert wird. Der Eindruck ist somit nicht von der Hand zu weisen, wohingegen „Somatography“ die härtere Schiene, die Morgan einzubringen suchte, zumindest andenkt. In Zukunft sollten THRESHOLD ungezwungener mit Metal im weitesten Sinne umgehen; hier scheint gerade Wilson mit seinem gewiss fantastischen Helium-Gesang zwanghaft auf Edel-Prog zu pochen, obwohl sich die Band gerade durch ihr bodenständiges Auftreten auszeichnet.
Neben „Eat The Unicorn“, einem der stärksten Songs im Katalog der Musiker, bestechen die konventionellen Balladen „Clear“ und „Forever“ ebenso wie das schmissige „Virtual Isolation“ Vermutlich war es gerade die Struktur von „Extinct Instinct“, die THRESHOLD auf die Treppchen der Redaktionscharts hievten, denn nach anfänglich sperrigem Material wirken die Briten zunehmend gelöster – doch wie gesagt: ein Hit ist ihnen hiermit nicht gelungen, auch wenn die tiefgründigen Texte, denen vor allem Umweltthemen zugrunde liegen, über alle Zweifel erhaben sind.
Statt des zusätzlichen „Radio Edit“ von „Exposed haben Nuclear Blast neben dem gekürzten „Virtual Isolation“ einen anderen zweiten Bonustrack hinzugefügt: „Smile At The Moon“ ist eine hübsche Ballade, die Käufer des B-Seiten-Boxsets bereits kennen.
FAZIT: „Extinct Instinct“ gilt manchem als Klassiker, darf aber nüchtern als Übergangswerk betrachtet werden. Allein Damien Wilsons Stimme und die Songwriting-Künste von Groom und Co. machen die Scheibe aber zur Pflichtveranstaltung, zumindest für Prog-Bescheidwisser und -Wissenwoller.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 07.10.2012
Jon Jeary
Damien Wilson
Karl Groom, Nick Midson
Richard West
Mark Heaney
Nuclear Blast / Universal
77:38
12.10.2012