Zurück

Reviews

Threshold: March Of Progress

Stil: Progressive Metal

Cover: Threshold: March Of Progress

Als die britischen Prog-Könige THRESHOLD vor rund fünf Jahren mit „Dead Reckoning“ ihr bis dato vielleicht reifstes und zugleich massentauglichstes Album veröffentlichten, glaubten nicht wenige daran, dass die Band um Gitarrist Karl Groom endgültig vor dem breiten internationalen Durchbruch stand. Der für viele völlig überraschende Ausstieg von Sänger Andrew „Mac“ McDermott kurz nach der Veröffentlichung durchkreuzte diese Pläne vorübergehend, und als die Band anschließend dem Ex-Sänger Damian Wilson das „Ex-“ strich und wieder in Lohn und Brot stellte, sahen nicht wenige eine erneute Phase der Instabilität bei THRESHOLD heraufziehen - inklusive mir.

Bislang erweckt der Hartmut-Engler-Lookalike aber nicht den Eindruck, an seine wankelmütige Frühphase bei den Briten anknüpfen zu wollen. Ganz im Gegenteil: Die Band absolvierte mit Wilson am Mikrofon so viele Konzerte wie noch nie, und mit ihrem achten Album „March Of Progress“ gelingt dem Sextett mal eben das beste Album ihrer Karriere – und diese Aussage hat angesichts des Bandkatalogs schon eine ganze Menge an Gewicht. Zehn Songs lang – elf auf dem limitierten Digi-Pak – zelebrieren THRESHOLD eine Kombination aus musikalisch hochwertigem Stoff, dem man freilich zu keiner Sekunde auch nur irgendeine Angestrengtheit anmerken würde, und traumwandlerisch schönen Melodien. Diesen Mix aus Kunst und Kommerz, aus Härte und Melodie, aus Anspruch und Genuss, schaffen nur wenige Bands.

Es gab sicherlich nicht wenige Fans, die skeptisch waren, ob Damian Wilson den 2011 viel zu früh verstorbenen „Mac“ adäquat ersetzen könnte. Das Fazit nach mittlerweile rund 30 Durchläufen des neuen Albums ist für mich ebenso überraschend wie bombenfest manifestiert: Er kann, und Wilson liegt nicht nur auf Augenhöhe mit seinem Vorgänger, sondern passt mit seiner etwas sanfteren und weicheren Stimmlage den entscheidenden Tick besser in den warmen und umschmeichelnden Sound seiner Mitmusiker.

Der Schlüssel zur überwältigenden Qualität von „March Of Progress“ heißt: Balance. THRESHOLD schaffen es, stets, in jedem Song, zu jeder Sekunde, die perfekte Balance zu finden. Dort, wo satt riffende Gitarren gefragt sind, riffen die Gitarren satt. Dort, wo dominante Keyboard-Waber-Sounds passen, wabern die Keyboards dominant im Vordergrund. Dort, wo melancholische Parts mit sparsamer Instrumentierung für einen stimmungsvollen Background sorgen sollten, treten genau diese Effekte ein. Das alles in Verbindung mit dem bandtypischen Hybrid aus Progressive Metal und fast schon AOR-kompatibler Melodik – insbesondere in den zum Niederknien schönen Refrains – führt dazu, dass „March Of Progress“ a) das vermutlich beste europäische Metal-Album des Jahres 2012 sein dürfte, sich b) mit ETHEREAL ARCHITECTs „Monolith“ einen engen Kampf um das Album des Jahres liefert und c) in punkto „Prog Metal mit Hitcharakter“ ein echtes Referenzwerk darstellt und das beste Genre-Songmaterial seit DREAM THEATERS „Scenes From A Memory“ bietet. Und besagtes Album hat immerhin schon satte 13 Jahre auf dem Buckel.

FAZIT: Kaufen, Hören, Staunen: 75 Minuten lang zeigen THRESHOLD, wie man melodischen Progressive Metal zelebriert. Und selten kamen dem Hörer 75 Minuten so kurz und kurzweilig vor.

Punkte: 14/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.09.2012

Tracklist

  1. Ashes
  2. Return Of The Thought Police
  3. Staring At The Sun
  4. Liberty Complacency Dependency
  5. Colophon
  6. The Hours
  7. That's Why We Came
  8. Don't Look Down
  9. Coda
  10. The Rubicon
  11. Divinity (Bonus Track)

Besetzung

  • Bass

    Steve Anderson

  • Gesang

    Damian Wilson

  • Gitarre

    Karl Groom, Pete Morten

  • Keys

    Richard West

  • Schlagzeug

    Johanne James

Sonstiges

  • Label

    Nuclear Blast

  • Spieldauer

    75:39

  • Erscheinungsdatum

    24.08.2012

© Musikreviews.de