Das neunte Album des US-RAILS-Musikers Gillam wurde über die Plattform Kickstarter finanziert und ist nicht zuletzt deswegen besonders persönlich an potenzielle Fans gerichtet ausgefallen. Das Dutzend Songs klingt dabei aber weder bieder noch anbiedernd, sondern nach freundlichem Americana mit Potenzial für die Dauerrotation in Yankee-Radios.
Das mit Mundharmonika versehene „A Train, The Rain & Other Things“ erinnert genauso wie „Talk To Me“ an die EAGLES, auch wenn die Inhalte der Stücke überwiegend kaltlassen. Kitschige Texte wie jener der Ballade „Last Night On Earth“ verärgern ebenso wie das in dieser Hinsicht solide, aber akustisch zahnlose „Any Day“ beziehungsweise der Titelsong. Man wünscht sich, Gillam würde häufiger Schmutz hervorkehren wie in „Put Me In The Ground“, das Schwarze Krähen vorbeifliegen lässt. Das Slide-Spiel des Mannes ist Klasse und macht auch „Something's Not Right“ zum sinnigen Post-Blueser.
In der Tat sind es erstaunlicherweise gerade die Country-Spitzen, etwa im Opener oder während „Come The Morning“, die „Good For You“ zumindest „okay for us“ machen. Die Mainstream-Annäherungen sind zu zahlreich, die Umsetzung zu glatt. Das „Goodtime“-Gelaber kann dem Hörer durchaus auf den Senkel gehen, und dank des leicht funkigen, am Ende schleichenden „One More Time“ sowie des flotten Finales „You Better Be Good“ darf Gillam froh sein, dass er sich keinen Verriss einhandelt.
FAZIT: „Good For You“ ist Egal-Musik auf spielerisch gehobenem Niveau für Fans von Petty, Mellencamp oder Seger, die allesamt mehr Spirit und Balls haben, um passende Amerikanismen zu bemühen.
Punkte: 6/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.11.2012
TJ McGlinchey
Tom Gillam, Craig Simon
Tom Gillam, Craig Simon
Ben Arnold
Matt Muir
Lincoln Durham (Mundharmonika), Valerie Voulo (Geige)
Blue Rose / Soulfood
50:42
09.11.2012