„Harmonicraft“, das dritte vollwertige Album der Florida-Boys TORCHE, ist ein schwer zu greifender Bastard. Gerade wenn du denkst, „hm, BARONESS“, wird das auch schon wieder über den Haufen geschmissen. Dann kommen WARRIOR SOUL ins Spiel, bevor BLACK SABBATH das Kommando übernehmen. Nein, dafür ist es doch jetzt zu melodisch. Habe ich da gerade MOTÖRHEAD rausgehört? Ach nein. Oder? Jetzt wird’s wieder melodischer, doch sämtliche Referenzen an den Melodic Rock werden in der nächsten Sekunde schon wieder pulverisiert, das ist doch jetzt eindeutig Stoner Rock aus der trockensten Wüstenregion. Ach nee, jetzt doch Sludge.
Oder? Noch mal von vorne hören. Ha, na klar, hier waren doch MASTODON ein Einfluss. Aber nur kurz. Hatten wir WARRIOR SOUL schon? Und da, da, das sind doch KYLESA, ganz klar. Ui, jetzt wird’s aber arg klebrig-süßlich-poppig. Oha, geile Leadgitarren. Hm. FOO FIGHTERS?
Gut, ihr seht schon: „Harmonicraft“ bietet von allem etwas. Außer eine schubladenkompatible Musik. Der stilistische Bogen, den der Vierer spannt, erfordert etwas mehr an musikalischem Holz. Von den angesprochenen Bands sind vermutlich BARONESS, MASTODON und WARRIOR SOUL die dominantesten Einflüsse, wobei bei TORCHE die Melodien im Vordergrund stehen. Auch wenn die Gitarren gerne einmal schwer riffend durch den Repeat-Modus walzen: Die Melodie erhält im Zweifelsfall den Vorzug vor der Härte.
FAZIT: Am Ende kapituliert der Schreiber vor der großen Kommode mit den vielen Schubladen – und greift zu einem stilistischen Hütchenspielertrick: „Harmonicraft“ ist Melodic Metal für alle, die Melodic Metal abgrundtief hassen.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.04.2012
Jonathan Nuñez
Steve Brooks, Andrew Elstner
Steve Brooks, Andrew Elstner
Rick Smith
Volcom Records/Warner Music
38:47
27.04.2012