Andere im ach so lauteren Doom-Metier stilisieren sich zu Underdogs und legitimieren ihr Dasein durchs Kopieren derer, zu denen sie beten (angeblich dem Gehörnten, in Wirklichkeit den Edlings, Lieblings und äh, Iommi-lings dieser Welt) und doch nur radebrechen. TOUCH THE SPIDER hingegen gehen wie eh und je einen eigenen Weg, der nicht jedem gefällt. Dieser Schreiber zumindest hat das Duo mittlerweile liebgewonnen und möchte es nicht mehr missen. DIY und Low Budget sind bei den Deutschen nicht bloß modische Anglizismen zum so Tun, als sei man irgendwie authentisch (was ist das überhaupt?), sondern werden gelebt ... und die charmante Musik gibt ihnen auf diesem Wege Recht.
Auch „Blood On The Wallpaper“ verzeichnet wieder eine Menge gedrungener Semi-Hits (das orgelnde „My Melancholy“ ist sogar ein ganzer) und Schrullen, etwa das hypnotisierende „Gort“ mit seiner wabernden Melodie. „Ghost City“ schlingt sich mit seinen chromatischen Tonfolgen ähnlich penetrant um den Hals des Hörers, derweil Unholy Ghosts verhallte Stimme einlullt wie eine Kobra. Dazu passt der heuer wieder verstärkt hervorgekehrte Einfluss von Death Rock, Psychobilly, Post Punk (das Instrumental „Lonely Town“ könnte glatt aus dem England der frühen Achtziger stammen) oder wie man es auch nennen möchte. Im zähflüssigen Kontext kommen bauchig tiefe Gitarrenlinien jedenfalls sehr originell.
Ständige Begleiter von TOUCH THE SPIDER sind der Reverb-Effekt und das pappige, leicht nach Unterwasser klingende Schlagzeug. Beides verärgert zumindest Band-Vertraute nicht mehr, sondern sorgt ebenso für ein „zu Hause“-Gefühl wie die kantigen Minimal-Leadgitarren im versonnen düsteren Opener „Dark Side Of Love“. Mittig platziert mutet „Tomb Of Despair“ indes nachgerade verspielt an, was am sprunghaften Beat im Gegensatz zum stoischen Gesangsvortrag nebst Simpel-Riff liegt. Für Überraschungen sind die Musiker auch wieder gut, etwa in Form des Spuk-Blues „Night Fright“ oder mit dem selten ruppigen Ohrwurm „Apocalyptic Prostitute“.
Unter den 14 Stücken befinden sich beileibe nicht nur Treffer: Dem deutschsprachigen „Ruf der Nacht“ fehlt die zündende Idee, und „Pallbearer“ tut sich eher als klangliche Alternative zum tiefen Dröhnen hervor, als in der Balladen-Disziplin zu überzeugen (man stelle den beiden Männern die Frau vor, die sich von dem schräg gesungenen, morbiden Text bezirzen lässt). „Requiem For A Girl“ ist ein als Song getarntes längeres Intro zum zu verwaschenen „Velvet Glove“, aber man darf sich gewiss sein, dass alle Stücke einen Hintergrund besitzen und falls nicht, so doch zumindest insofern legitim sind, als sie den Machern genügen, denn wie gesagt: Der große Reibach ist auch der große Feind dieses Projekts, ob gewollt oder nicht.
FAZIT: „Blood On The Wallpaper“ ist wie seine Vorläufer, denen es kaum etwas nimmt, ein Geheimtipp für Freunde des Schummrigen zwischen (vielleicht) ST. VITUS, MAGAZINE und SAMHAIN, derweil TOUCH THE SPIDER auch trotz des hier weggelassenen Ausrufezeichens im Bandnamen für den Liebhaber so hip bleiben wie GY!BE – mindestens.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.11.2012
Unholy Ghost
Unholy Ghost
Unholy Ghost
Unholy Ghost
Cosmic Energy
Eigenvertrieb
45:18
23.11.2012