Wie schwer es ist, im melodischen Death Metal noch wirkliche Akzente zu setzen, zeigt "Lizard Dusk", die dritte Scheibe der Finnen von TRACEDAWN. Die Jungs machen grundsätzlich nichts falsch, beherrschen ihre Instrumente, haben ein paar nette Melodien an Bord - aber so gut wie nichts bleibt auch nach dem 10. Hördurchgang hängen. Zu eintönig rauschen die neun Songs am Hörer vorbei, und nach nicht einmal 40 Minuten stellt man sich Frage - war das jetzt eine etwas hölzerne Version von frühen IN FLAMES oder eine melancholiearme Ausgabe von MERCENARY, die hier gerade zum einen Ohr rein und zum anderen Ohr wieder rausgeflutscht ist?
Klar, im Vergleich zu den ersten beiden Scheiben haben sich die Skandinavier fraglos ein wenig steigern können, haben ihre stilistische Bandbreite sowohl in Richtung Härte als auch in Richtung Melodie noch ein wenig erweitert. Das Aufsplitten der Lead Vocals - neu in der Band ist Growler Niko Kalliojärvi (AMORAL), dazu ist Gitarrist und Bandgründer Tuomas Yli-Jaskari jetzt auch für die Clean Vocals zuständig - wirkt sich nicht unbedingt positiv auf die Homogenität des Albums aus; möglicherweise sollte Kalliojärvi darüber nachdenken, gleich ganz das Mikrofon zu übernehmen, denn seine klare Stimme weiß deutlich mehr zu gefallen als das relativ unspektakuläre Gegrunze von Kalliojärvi.
FAZIT: Die Abwesenheit von Krieg bedeutet nicht automatisch Frieden, und die Abwesenheit des Schlechten bedeutet nicht automatisch etwas Gutes - TRACEDAWN gehen solide zu Werke, schaffen es aber nicht, mit "Lizard Dusk" zu etwas Außergewöhnlichem zu formen. Durchschnitt - und das ist in der Liga des melodischen Death Metals fast schon ein Todesurteil (es sei denn, man heißt IN FLAMES).
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 13.02.2012
Pekko Heikkilä
Niko Kalliojärvi, Tuomas Yli-Jaskari
Tuomas Yli-Jaskari, Roni Seppänen
Vili Itäpelto
Perttu Kurttila
Drakkar
39:32
17.02.2012