Nach fünf Jahren Pause legt die Britin ein neues Album vor, das in mancher Hinsicht wie ein Pop-Anachronismus klingt. An "The Minutes" scheinen zwei Jahrzehnte der Entwicklung fast gänzlich vorbeigegangen zu sein.
Guy Sigsworth, der schon mit einem künstlerischen Schwergewicht wie Björk zusammegearbeitet hat, schraubte Moyet einen relativ handelsüblichen Sound mit den obligatorischen Zeitgeist-Versätzen (elektronisches Gluckern, Zischen und Loops, durch den Prozessor gejagter Gesang) zurecht, aber dies passt zu der Sängerin, die bekanntermaßen vor allem während der Achtziger von sich reden machte. Heute klingt die Dame oft richtig alt ("When I Was Your Girl", "Remind Yourself") und deswegen verdrossen.
Einige Tracks sind gerade ihrer pentranten Kehrverse wegen ein bisschen zu deutlich Cut-and-Paste, in erster Linie "Right As Rain", "Love Reign Supreme" und "Changelin": stolpernder Dance mit schrulligem Gesang, der auf die Dancefloors von einst zurückführt, gepaart mit juvenilen Dünkeln, um sich einem Indie-Publikum anzudienen. Es ist ein Fall von vielen mit Bezug auf (einstige) weibliche Popstars: Mag ihr Gesicht auch auf dem Cover prangen - die meisten Strippen im Hintergrund ziehen andere, und die Handschrift von "The Minutes" zeugt von kundigen Songwritern beziehungsweise Klangveredlern, die allerdings zu konservativ vorgegangen sind.
FAZIT: Alison Moyet lockt mit ihrem Quasi-Comeback vielleicht Fans von damals neben dem häuslichen Kamin hervor, doch ihre neuen Tunes sind zu altbacken, um neue Kundschaft zu bewerben. Ansonsten bleibt zwischen Four-to-the-floor und synthetischen Balladen nur oberflächliches Sounddesign mit wenig inhaltlicher Schwere.
Punkte: 5/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.05.2013
Cooking Vinyl / Indigo
36:13
03.05.2013