In einer Rezension wird die Musik von AMPLEDEED als eine „Stunde ADHS-Improvisation, ohne erkennbares Ziel“ beschrieben. Was immer der Autor jener Zeile gehört haben mag, „A Is For Ampledeed“ kann es eigentlich nicht gewesen sein. Denn obschon die Stücke vertrackte Passagen besitzen, den Rhythmus wie das Tempo häufiger wechseln, bleiben sie stets als Songs, denen Melodie Labsal und Struktur ein zu füllendes Labyrinth auf dem Weg zum Ende ist.
AMPLEDEED spielen abwechslungsreichen Prog, der durchaus symphonischen Charakter hat, aber eben die modernere Variante, die sich auf kleine Experimente einlässt. Canterbury, Jazz, ein Hauch ZAPPA, zuweilen wird etwas härter gerockt („Why 6 Is Afraid Of 7“), ebenso gibt es zahlreiche Momente von besinnlicher, geradezu pastoral-beschaulicher Stimmung, bis hin zu BEATLES-nahen Harmonien („Wake Of The Galaxy”). Keyboards sind sehr präsent, gerne werden der (Hammond-)Orgel Töne zwischen „Nursery Cryme“ und psychedelischem Nachtclub-Ambiente entlockt. Was nicht bedeutet, dass sich Gitarren und Rhythmusabteilung nahezu unsichtbar im Hintergrund aufhalten. Wenn es an der Zeit ist, preschen die entsprechenden Musiker mit Wucht nach vorne.
Radikales Sprengen von Grenzen findet nicht statt, Exzesse bleiben aus. Der RiO-Anteil ist überschaubar, von Avantgarde kann man ebenfalls kaum sprechen, stattdessen herrscht eine musikalische Fabulierlust vor, die über die fünfundfünfzig Minuten Laufzeit Laune macht, zu Entdeckungsreisen einlädt, und bei aller Schrägheit einnehmende Melodien nicht aus den Augen verliert.
FAZIT: Wer mit den frühen SOFT MACHINE, den komplexeren CARAVAN und HAPPY THE MAN-Stücken klarkommt, vor moderaten NATIONAL HEALTH, GENTLE GIANT und ein bisschen Polyrhythmik/ –phonie keine Angst hat und neuere Bands wie HAMADRYAD, FROGG CAFÉ oder BIRDS AND BUILDINGS nicht fürchtet, wird mit AMPLEDEED überhaupt keine Probleme haben. Entdeckt im Gegenteil mit „A Is For Ampledeed“ein höchst spannendes, vielseitiges Album, das keineswegs an einer schwer verständlichen Zerrissenheit leidet.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 07.12.2013
Cody Farwell, Aaron Munoz, Max Taylor
Max Taylor, Aaron Goldich, Allie Taylor, Luis Flores,
Luis Flores
Aaron Goldich, Max Taylor
Isaac Watts, Max Taylor
Collin Kupka (Sax)
Eigenproduktion/Just For Kicks
55:51
08.11.2013