Die Melodic-Rock-Welle ebbt und ebbt nicht ab. Mittlerweile hat es den Anschein, als würden die Neuheiten im Stundentakt auf den kurz vor dem Kollaps stehenden Markt geschmissen. Angesichts dieses Veröffentlichungswahns wird es logischerweise immer schwieriger, den Durchblick zu behalten – zumal gerade im AOR/Melodic-Rock-Bereich munter Projekthopping betrieben wird. Auch bei ANGELICA, dem Soloprojekt von THE-MURDER-OF-MY-SWEET-Sängerin Angelica Rylin, stehen mit Alessandro Del Vecchio oder Robert Sall Namen auf der Liste der Songwriter, die sich in den vergangenen Jahren nicht direkt rar gemacht haben.
Und genau das merkt man „Thrive“ auch an – in zweierlei Hinsicht. Zum einen unterschreitet das Songwriting niemals einen gewissen qualitativen Standard, zum anderen bleiben aber Überraschungen selbst ansatzweise komplett außen vor. Man könnte auch sagen, manches auf „Thrive“ hat man schon dutzendfach auf anderen Scheiben gehört, vorzugsweise auf Scheiben, die ebenfalls vom italienischen Frontiers-Label veröffentlicht worden sind. Rein handwerklich betrachtet, kann man ANGELICA nicht viel vorwerfen: Ihre Sidekicks spielen kompetent, ihre Stimme meistert sowohl die, nun ja, sehr dezent rockenden Stücke als auch die schwülstigen Balladen ganz ordentlich ab, an ihre großen Vorbilder Robin Beck und Ann Wilson kommt sie (logischerweise) noch nicht heran.
FAZIT: 08/15-AOR, der selbst für das weichgespülte Segment zu selten die Krallen zeigt. Mit einem Wort umschrieben: nett. Ob das reicht, um dieses Album aus dem vollkommen überfüllten AOR-Regal zu ziehen, muss jeder selbst entscheiden – die Konkurrenz ist jedenfalls nicht nur reichlich vorhanden, sondern auch häufig besser.
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.11.2013
Johan Niemann
Angelica Rylin
Per Bergquist
Daniel Flores
Daniel Flores
Frontiers Records
49:59
29.11.2013