Als größte spanische Metal-Band werden ANGELUS APATRIDA vom Label angepriesen. Das könnte hinkommen, aber ist das genug, um eine Neuauflage der beiden ersten Alben „Evil Unleashed“ (2006) und „Give ‘Em War“ (2007) zu rechtfertigen? Außerhalb Spaniens ist die Band schließlich kaum bekannt. Um das zu ändern, gibt es jetzt also die beiden Erstlinge im Doppelpack, mit neuem Artwork und neuem Sound.
Auf dem Debüt „Evil Unleashed“ zeigen die Spanier, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben und die komplette Thrash-Palette beherrschen. Der Gesang klingt mal nach Hetfield, mal nach Chuck Billy von TESTAMENT, und die Riffs zitieren die komplette Bay Area von DEATH ANGEL bis SLAYER. So weit, so unspektakulär.
Interessanter wird es auf dem Nachfolger „Give ‘Em War“. Obwohl zwischen beiden Veröffentlichungen nur ein Jahr liegt, hat die Band auf dem Zweitwerk ihren Sound gefunden, tritt gereifter auf und beweist, dass sie in der Lage ist, verdammt einprägsame Hooks in ihre Songs einzubauen.
Tatsächlich wurde das erste Album bereits 2004 aufgenommen, wegen Problemen mit dem Label aber erst 2006 veröffentlicht. Also sind zwischen „Evil Unleashed“ und „Give ‘Em War“ in Wahrheit drei Jahre vergangen. Das könnte erklären, weshalb ANGELUS APATRIDA mit ihrem zweiten Album einen so großen Sprung nach vorne gemacht haben.
Nicht nur vom Gesang her erinnern die Songs auf „Give ‘Em War“ noch sehr stark an TESTAMENT und EXODUS, aber wer Oldschool-Thrash spielt, hat schließlich nur begrenzte Möglichkeiten, sich von seinen Einflüssen zu unterscheiden. Immerhin tritt der eigene Charakter der Spanier auf ihrem zweiten Album bereits deutlich genug zu Tage, um mehr als ein bloßer Klon zu sein.
Auch die Mucke reicht qualitativ an die Vorbilder heran. Vor allem das kräftig groovende „Never Forget“, „Give ‘Em War“ mit dem geilsten Refrain des Albums und das extrem eingängige „Thrash Attack“ stechen hervor. Kein Meisterwerk, aber hier bohrt sich schon beim ersten Hören der ein oder andere Track im Gedächtnis fest. Die Soli sind stellenweise regelrecht beeindruckend, und auch Sänger Guillermo Izquierdo leistet ganze Arbeit.
Abgerundet wird das Doppelalbum mit einigen Demo-Aufnahmen, von denen die meisten aber Albumtracks sind und daher eh in weitaus besserer Soundqualität vorhanden sind. Und die anderen Songs haben es ursprünglich zu Recht nicht auf die Alben geschafft. Nett gemeinte Geste, aber nur für Fans von Interesse.
FAZIT: Die Neuauflage ist zumindest im Fall von „Give ‘Em War“ berechtigt. Hier lohnt es sich, mal reinzuhören. „Evil Unleashed“ muss man nicht unbedingt in seiner Sammlung haben. Aber da es hier zwei Alben zum Preis von einem gibt und der Sound über jeden Zweifel erhaben ist: warum nicht.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 15.11.2013
José J. Izquierdo
Guillermo Izquierdo
David G. Álvarez, Guillermo Izquierdo
Víctor Valera
Century Media
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18.11.2013