Der Mann aus Toronto hat sich für sein neues Album an mancher Stelle von findigen Songwritern helfen lassen, genaugenommen Mark Selby ("Blue On Black" von Kenny Wayne Shepherd) und Jim Peterik (SURVIVOR). Das Ergebnis ist immer noch Blues, heuer allerdings mit starker Gospel-Note.
Gomes tritt mit diesen Stücken ausschließlich mit akustischem Instrumentarium auf, sodass dem Piano eine wichtige Rolle zufällt, beispielsweise im sich selbst erklärenden "Lady Soul" oder während "Rescue Me". In puncto Stimmung verleiht der tiefschwarz klingende Chor den Stücken einen lamentierenden, religiösen Charakter, wovon insbesondere "Sinner's Song", "Old Ten Wheeler" und "Beautiful Goodbye" zeugen. Deutlicher als je zuvor stellt sich Gomes selbst als Sänger und Zeremonienmeister in den Vordergrund, wobei er dank seiner zudringlichen Samtstimme keineswegs ein schlechtes Bild abgibt.
Goodtime-Stücke wie der eröffnende Boogie "Blues is Good" oder das heitere Duett "Let's Fall in Love" befinden sich eindeutig in der Unterzahl, doch gerade deshalb stellt "Before The Beginning" einen interessanten, einfühlsamen Weg aus der Zwölftakt-Sackgasse dar, den ruhig auch andere Künstler in dieser Form wählen könnten. Joe Bonamassa hat es jüngst bekanntermaßen ähnlich angepackt, doch bei Gomes geht es angemessen intim zu.
FAZIT: Anthony Gomes' neues Album bietet Blues im weitesten Sinn ohne Verstärker in zehn wirklich intensiven Stücken (In- und Outro nicht mitgezählt). Der Gitarrist und Sänger komponierte mit Bedacht auf Abwechslung und Emotionen, wodurch fast wie nebenbei seine bislang auffälligste, subjektiv betrachtet bestes Platte entstand.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 16.06.2013
Scot Sutherland
Anthony Gomes
Anthony Gomes
Roger Femali
Up 2 Zero / Just For Kicks
38:40
31.05.2013