Zurück

Reviews

Anvil: Hope In Hell

Stil: Heavy Metal

Cover: Anvil: Hope In Hell

Sicherlich sind Lips und Rob sympathische Kerle und Überzeugungstäter, aber mit Verlaub: ANVILs Schaffen wurde im Zuge des rührenden Films über die Band zu mehr aufgebauscht, als sie letztlich war und ist. Vermutlich wären die beiden Zankhähne besser zur Einsicht gelangt, dass sie abgesehen von einigen Glückstreffern, zumal sehr früh in ihrer Karriere, schlicht mäßig begabte Musiker waren und sind. Auch ihr neues Album legt davon Zeugnis ab.

Es beginnt beim beschissenen Cover und hört ihn standardisierten Hauruck-Kompositionen auf, denen hörbar der Input des jüngst abgewanderten Bassisten fehlt, denn Glenn Five war maßgeblich für den Schmiss des Vorgängers "This Is Thirteen" verantwortlich, und es ist bezeichnend für die Anführer der Band als chronische Versager, dass sie in die sprichwörtliche Hand gebissen haben, die sie fütterte. Ohne den Erfüllgehilfen können ANVIL jetzt damit weitermachen, sich selbst und andere zu kopieren ("Badass Rock N Roll" klingt stark nach KISS, "The Fight Is Never Won" nach mittleren JUDAS PRIEST), denn offensichtlich steht in ihrer auf geradezu widerliche Weise anachronistisch ausgerichteten Szene dringender Bedarf an mehr vom gleichen alten Scheiß.

Zahnlos melodisches Midtempo wie während "Time Shows No Mercy", "Through With You", "Flying" und im zerfahrenen "Call Of Duty" dominiert "Hope In Hell". "Eat Your Words" und Teile des zehnminütigen (ächz ...) Finales "Shut The Fuck Up" hingegen stehen im Zeichen von Speed-Stücken wie "Smoking Green" und ungezählten ähnlich ausgerichteten Tracks aus der Vergangenheit, die ANVIL zu Recht in den Nimbus von MOTÖRHEAD rückten. Immer noch besser als die unangenehme Nähe zu STATUS QUO, welche nicht erst auf dieser Platte besteht.

Die wie immer augenzwinkernden Texte lesen sich häufig interessanter (Beispiel Titelstück), als sich die Musik anhört. Natürlich ist Rob immer noch ein nimmermüder Trommel-Dynamo - gerne mit Swing wie in "Pay The Toll", während sich Lips das eine oder andere gelungene Riff aus der zweiten Hand schüttelt beziehungsweise mit oder ohne Vibrator zum ewig selben Solo ansetzt, aber das alles ermüdet über 50 Minuten hinweg doch sehr ... und die Sonderausgabe des Albums bietet sogar Bonustracks.

FAZIT: Bei allem Wohlwollen tönen ANVIL auch mit "Hope In Hell" auf negative Art lustig wie alte Herren, die gerne laut sind. Daran, dass Sacha Gervasi, der Regisseur der gerühmten Dokumentation über die Band, mittlerweile in Hollywood Erfolge feiert, während die Musiker weiter im Untergrund herumkrebsen, bemerkt man den Klassenunterschied beziehungsweise die Lernfähigkeit des einen und nicht der anderen. Mit "sind einfach Kult"-Floskeln ist es in Anbetracht von so viel schreiberischem und spielerischem Durchschnitt wie hier nicht getan, wertes Feuilleton.

Punkte: 7/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.05.2013

Tracklist

  1. Hope In Hell
  2. Eat Your Words
  3. Through With You
  4. The Fight Is Never Won
  5. Pay The Toll
  6. Flying
  7. Call Of Duty
  8. Badass Rock N Roll
  9. Time Shows No Mercy
  10. Mankind Machine
  11. Shut The Fuck Up

Besetzung

  • Bass

    Sal Italiano

  • Gesang

    Steve „Lips” Kudlow

  • Gitarre

    Steve „Lips” Kudlow

  • Schlagzeug

    Rob Reiner

Sonstiges

  • Label

    Steamhammer / SPV

  • Spieldauer

    53:29

  • Erscheinungsdatum

    24.05.2013

© Musikreviews.de