Man kann die Annahme vertreten, dass der erste Take im Aufnahmestudio stets der beste ist, weil er am unmittelbarsten zeigt, was der Musiker mit seinem Spiel impliziert. Mit dem Aufkommen neuer Aufnahmetechniken hat sich diese Philosophie längst erübrigt; heutzutage ist es eher an der Tagesordnung, Songs in kleinste Atome zu zerfransen, diese einzeln zu bearbeiten, wieder zusammenzufügen, zu mixen, zu mastern und die Klebkunstcollage am Ausgang der Fabrik „Song“ zu nennen.
Wie es aber eben mit der „schönen neuen Welt“ immer ist, hat auch diejenige der digitalen Musikproduktion Gegenbewegungen hervorgebracht. Auffällig oft stellen sich junge Bands inzwischen unter das „Vintage“-Banner. APE MACHINE reicht das noch nicht – retro ist nicht einfach nur ein Zusammenspiel aus Instrumentauswahl, Songwriting, Produktion und Lifestyle, sondern auch der eigentliche Moment der Aufnahme. Daraus folgt: „Mangled By The Machine“ entstand in einem Take.
Einmal ins Studio, zack, alles durchgezockt, nach Hause, Bierchen schlürfen. Es darf zwar angezweifelt werden, dass das „One-Take-Wonder“ gleich beim ersten Mal unter Dach und Fach war, aber es soll immerhin mit dem Geiste des „A one, a two, a three, a four“ in einem Schlag runtergehobelt worden sein, ohne jeden einzelnen Musiker in sein privates Kabinchen zu schicken.
Zweifellos: Die Stärke dieser Platte ist ihr organischer Klang. Der Puls der Drums wirkt sich direkt auf die Schwingungen der Gitarre aus, Tonsignale vermengen sich unentwirrbar in der Luft und ergeben ein klumpiges Ganzes, ein wahrer Horror für Techniktüftler, denn eine Spur zu isolieren ist nicht möglich, ohne das Ganze zu verzerren. Was zählt, ist der Moment der Kumulation aller Umgebungsgeräusche.
Dass APE MACHINE dabei frech zwischen 70er Hard Rock und Stoner Rock (und zeitweise Metal) pendeln, fällt nicht einmal richtig auf, weil die Homogenität einfach zu erschlagend ist. Den Kompositionen schmeichelt das im Einzelnen wenig; möge man ein beliebiges Stück auflegen und auf Anhieb erkennen, wer da muckt, doch wehe, es geht darum, das spezielle Stück beim Namen zu nennen; da fällt man schnell mal auf die Nase. Von „Gun You Down“ bis „Pay Attention“ ist „Mangled By The Machine“ grundsätzlich ein einziger Longtrack, der sprudelt und fuzzt wie eine frisch geöffnete Mezzo Mix (und auch die gleichen Braun- und Orangetöne trägt). Ein näselnder Sänger in hohen Tonlagen, Schepperschlagzeug und, ja mei, hin und wieder mal eine Mundharmonika oder Orgel – es macht keinen nennenswerten Unterschied für das Flair.
FAZIT: „Mangled By The Machine“ hört man entweder ganz oder gar nicht. Von vorne nach hinten, von hinten nach vorne, per Shuffle-Funktion oder man lässt sie eben auch ganz aus. Jacke wie Hose. Für die Suche nach dem Retro-Soundkick ist das Zeug ideal, beispielsweise im Reel-To-Reel-Fieber als Nachschlag zur Grohl-Doku „Sound City“. Sucht man hingegen nach einem Song Classic, hält man sich auch weiterhin eher an die alten Helden.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.05.2013
Brian True
Caleb Heinze
Ian Watts
Damon De La Paz
Ripple Music
39:51
14.05.2013