Die zypriotische Metalszene ist in punkto Größe noch ausbaufähig. ARRAYAN PATH und WINTER’S VERGE sind die bekanntesten von der sonnenverwöhnten Insel, und mit ASTRONOMIKON schickt sich jetzt eine weitere Combo an, internationale Meriten zu erringen. Dabei rekrutiert sich die Band vor allen Dingen aus Mitgliedern von ARRAYAN PATH – scheint also alles in der (metallischen) Familie zu bleiben auf der Mittelmeerinsel.
Im Vergleich zu ihrer Hauptband gehen die Zyprioten bei ASTRONOMIKON um ein Vielfaches melodischer und hymnischer zu Werke, orientieren sich vor allen Dingen an der melodischen Euro-Power-Metal-Schiene. Was dem Vierer noch über weite Strecken fehlt, ist eine eindeutig eigene Identität. Die elf Songs plus Intros sind handwerklich solide, bieten unbestritten einen guten Unterhaltungswert, sind niemals zu aufdringlich oder kitschig, finden eine gute Balance aus Melodie und Härte, bleiben in den meisten Fällen relativ schnell im Ohr und besitzen in Nicholas Leptos einen ausdrucksvollen Sänger, der zwar in höheren Regionen unterwegs ist, dabei aber nie ins unangehm-schrille abdriftet. Dass dabei aber so manches Gitarrensolo 1:1 wie auf „Walls Of Jericho“ klingt, dass ganze Songabschnitte unüberhörbar von RHAPSODY „inspiriert“ sind („Dramatis Personae“, „For You I Will Die Young“), dass sich auch MOB RULES, GAMMA RAY, STRATOVARIUS und die sonst noch so üblichen Verdächtigen unter den musikalischen Vätern von „Dark Gorgon Rising“ befinden, sorgt auf jeden Fall für Abzüge in der B-Note.
Nun mag man argumentieren, dass es im klassischen Heavy Metal wirkliche Originalität so gut wie gar nicht mehr gibt. Es gibt aber Wege, seine Einflüsse ein wenig subtiler auf Tonträger zu bannen – bei den nächsten Albumaufnahmen sollten die HelloGammaVarius-CDs besser daheim im Schrank bleiben, um allzu offensichtlichen Reproduktionen aus dem Weg zu gehen.
FAZIT: Wer keinen gesteigerten Wert auf eine eigene Identität legt und die genannten Bands zu seinen Lieblingen zählt, der wird vermutlich schwer angetan sein von „Dark Gorgon Rising“. Alle anderen würden sich wünschen, dass ASTRONOMIKON ein wenig nach einer eigenständigen Band klingen würden als große Vorbilder zu zitieren.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 12.02.2013
Paris Lambrou
Nicholas Leptos
Socratis Leptos
Stefan Dittrich
Pure Legend Records
52:15
15.02.2013