Nach der Euphorie kommt die Ernüchterung – denn das zweite richtige Album nach dem Comeback der Death Metal-Legende aus San Francisco geht sehr auf Nummer sicher. Klangen AUTOPSY auf ihrer EP „The Tomb Within“ und auch auf „Macabre Eternal“ noch frisch und unberechenbar, so scheint es, dass das Lob eines jeden Death Metal-Fans sich negativ aufs Songwriting ausgewirkt hat. Denn neben mangelnder Krankhaftigkeit, gibt es viele halbgare Experimente, viele Durchhänger und viele Fragezeichen.
Und so kommt „The Headless Ritual“ für AUTOPSY ziemlich zahm und austauschbar herüber – eckte die Band früher mit sexuell motivierten Gewaltexzessen an und nahm sogar die Kackwurst in den Mund, macht man auf dem aktuellen Longplayer einen fast braven Eindruck. Die Songtitel lesen sich wie Durchschnittsware aus der Death Metal-Hauptschule und auch musikalisch gibt es dieses Mal eher Mittelmaß als Tiefgrund.
Klar, man hört Reifert's charismatische Vocals zweifelsfrei heraus und auch das Gitarrenspiel ist unverkennbar – vor allem Leads und Soli von Danny Coralles waren und sind noch immer schräg. Der ein oder andere Track hat durchaus seine Momente, aber vom düster morbiden Feeling ihrer ersten Alben ist nicht mehr viel übrig, auch wenn man dieses Mal fast krampfhaft darum bemüht ist, genau jene morbide Atmosphäre zu erschaffen, die vor allem auf „Severed Survival“ in den kriechenden Parts überragte.
Geht 'Slaughter At Beast Home' anfangs noch in straighter Manier nach vorn, verliert das Album im Verlauf immer mehr an Biss – der Opener wird langsamer und belangloser. 'She Is A Funeral' klingt dann wie eine lupenreine Doom Metal-Nummer, die mit einem early DEATH-Part aufgepeppelt wurde, der gut und gerne auf „Scream Blood Gore“ zu hören hätte sein können. 'Coffin Crawlers' rutscht komplett durch, 'When Hammer Meets Bone' geht dann endlich richtig auf die Hundert und kann mit coolem Refrain punkten, fällt aber in der Mitte erneut ab und sielt sich in einem gähnend langweiligen Slow-Mo-Part, der den Song kräftig nach unten zieht – zum Glück aber im Gitarren-Axt-Inferno weitergeht. Auch der Rest der Tracks überrascht zwar gelegentlich mit AUTOPSY-untypischen Parts, überzeugt jedoch nur im Ansatz. Bestes Fazit für die unklare Linie des Albums: der instrumentale Titeltrack, der mit zweieinhalb Minuten nichts sagen die Platte enden lässt.
FAZIT: AUTOPSY zeigen ihren Schwiegermüttern, dass sie gar nicht so böse sind und die Zeiten von Eingeweiden, Kot und Erbrechen vorbei sind. „The Headless Ritual“ ist ohne Frage Death Metal – wenn auch mit viel Doom diesmal. Stilistisch ist sich die Band indes nicht unbedingt treu und versucht sich an viel Artfremdem. In den Relationen der Kings Of Sickness ist das Album allerdings sehr ernüchternd und viel zu glatt. Insgesamt nicht wirklich schlecht, aber für Bandverhältnisse doch zu ziellos und frei von Highlights und Überraschungsmomenten.
Schade!
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.06.2013
Joe Allen
Chris Reifert, Eric Cutler
Eric Cutler, Danny Coralles
Chris Reifert
Peaceville
44:15
28.06.2013