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Azure Emote: The Gravity Of Impermanence

Stil: Avantgarde Death Metal

Cover: Azure Emote: The Gravity Of Impermanence

Das zweite Album dieses Projekts um diverse Prominente aus der US-Szene des extremen Metal stellt sich, wie Kollege Chris' Rezension bereits andeutete, als stilistisch recht bunte Angelegenheit heraus: Initiator Mike Hrubovcak ist durch VILE, MONSTROSITY und DIVINE RAPTURE bekannt, Schlagzeuger Heller unter anderem von FEAR FACTORY und Conlon wegen seines Stand-in auf Deaths Klassiker "Symbolic", aber rasender und technischer Todesstahl dient allenthalben als Ausgangsbasis für die 14 Tracks der Scheibe.

Dadurch, dass Mike der Philosophie östlicher Kulturkreise eine Menge abgewinnen kann, macht er es sich in einer Ecke mit CYNIC bequem, und auch musikalisch lassen sich Gemeinsamkeiten ausmachen: Fließende Übergänge zwischen brettharten und schwebenden Passagen ("The Color Of Blood"), orientalisch anmutender Frauengesang ("Carpe Diem", ein psychedelisches Gänsehautstück mit tragender Geige von Pete Johansen, dem Zuarbeiter von MORGUL, TRISTANIA, THE SINS OF THY BELOVED und SIRENIA) sowie verschlungene Melodien, die sich der Hörer erst erschließen muss. Darüber hinaus besitzt "The Gravity Of Impermanence" einen symphonischen Charakter ("Marching Forth" mit YAKUZAs Sax-Monster Bruce Lamont) und bringt außerweltliche Keyboardsounds zu gehör, die man auch NOCTURNUS zumessen könnte.

Brisant wird es, wenn der Macher Samples aus Interviews mit dem kontroversen Pathologen Jack Kevorkian und Schnipsel aus dem Film "Ein Leben für den Tod" einflicht ("Patholysis" und "Destroyer Of Suffering") beziehungsweise in "Sunrise Slaughter" Aufnahmen von Schweinen in Panik kurz vor ihrer Schlachtung verwendet. Hrubovcaks Grollen und Grunzen wird der stilistischen und thematischen Bandbreite vielleicht weniger gerecht, doch dies war bereits bei den angesprochenen und wohl offensichtlichen Vorbildern der Fall. Das geradlinigste Stück "Conduit Of Atrophy" erweist sich aber dennoch gerade durch die Vocals neben "Dissent" als außerordentlich eingängig, ohne die Virtuosität der Beteiligten in Zweifel zu ziehen - ein veritables Kunststück.

"Epoch Of De-Evolution" und "Veils Of Looming Despair" sind am visionären Gothic Metal der Neunziger grenzende Orientalistik-Studien, die von kompositorischem Weitblick über den Metal-Rand hinaus zeugen, "The Living Spiral" sowie "Puppet Deities" überführen Doom-Strukturen in den Kontext von bombastischem Grenzgänger-Prog, wie er auch aus Skandinavien stammen könnte, und "Obsessive Time Directive schrammt innerhalb von knapp drei Minuten sowohl am Djent als auch am Black Metal - nächstes Kunststück.

Umso schöner bei allem Eklektizismus und verschwörungstheoretischem Popanz ("Annunaki Illuminati", textlich gewandt umgesetzt und als Song eine futuristische Hyperblast-Wucht, die MORBID ANGELs aktuelles Album aufgewertet hätte) ist die Tatsache, dass diese Platte in sich rund klingt, denn Wahnsinn hat bei AZURE EMOTE Methode ... und Wahnsinn bedeutet zwangsläufig, dass Emotionen in welcher Form auch immer angesprochen werden - ein Kunststück (wieder), das Bands im Death Metal der Neuzeit zu selten vollführen.

FAZIT: AZURE EMOTE mögen keine auf Anhieb griffige Band sein, aber ihre irrwitzigen Kompositionen ergeben einzeln wie als Gesamtwerk genauso viel Sinn, wie sie in puncto Originalität ihresgleichen Suchen - Man rüttelt an vielen Schubladen und muss den Schrank zuletzt doch um ein neues Fach erweitern. Darauf steht dann vielleicht Ethno Death Metal ...

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.05.2013

Tracklist

  1. Epoch Of De-Evolution
  2. Carpe Diem
  3. Marching Forth
  4. Sunrise Slaughter
  5. Conduit Of Atrophy
  6. Veils Of Looming Despair
  7. Dissent
  8. The Living Spiral
  9. Obsessive Time Directive
  10. Patholysis
  11. Destroyer Of Suffering
  12. Annunaki Illuminati
  13. The Color Of Blood
  14. Puppet Deities

Besetzung

  • Bass

    Kelly Conlon

  • Gesang

    Sandra Laureano, Melissa Ferlaak Koch, Mike Hrubovcak

  • Gitarre

    Ryan Moll, Mike Hrubovcak

  • Keys

    Jonah Weingarten, Jason Ian-Vaughn Eckert

  • Schlagzeug

    Mike Heller

  • Sonstiges

    Pete Johannes (Violine), Bruce Layout (Saxofon)

Sonstiges

  • Label

    Selfmadegod Records

  • Spieldauer

    60:17

  • Erscheinungsdatum

    04.04.2013

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