Mutig sind die US-Amerikaner AZURE EMOTE ja durchaus, denn auf ihrem zweiten Album, das seine Wurzeln klar im Death Metal der technischen und anspruchsvollen Sorte hat, versuchen sich die Damen und Herren in zahlreichen Experimenten.
Da wird gerne mal opernhaft oder orchestral ausgeufert, dann wieder findet Jazz Einzug in den Bandsound - bis hin zum Saxophonsolo -, gerne auch wird NOCTURNUS gehuldigt, SACRED SIN gedacht, NEURAXIS hommagiert oder ein paar Abstecher in gotische oder sakrale Gefilde unternommen. Und wieso nicht auch mal 'ne Geige auspacken, ein paar Breakdowns einstreuen oder mit frickeligen Electronica einen krassen Kontrast zum rasenden Gebolze bilden? Oder Samples? World Music? Oder Filmmusik? Oder Ambient? Oder Trance Plus Klassik Plus Metal im Dreieck springen lassen? Fast alles ist möglich bei diesem Kollektiv.
Klingt mutig und liest sich spannend, aber oftmals wirken die Songs - und das sagt jemand, dem es nie experimentell und songfern genug sein kann - wie ein krampfhafter, gewaltsamer Versuch, alle Ideen, ganz ohne Ausschuss, möglichst restlos zu verbraten. Bloß nix umkommen lassen, alles muss mit in den Topf, und dann schneiden wir alles in vierzehn Stücke. Und das lässt das Album unterm Strich eher wie eine prätentiöse Demonstration der Freakiness dastehen. Ob das so beabsichtigt war?
FAZIT: Tolle Idee, leider ohne Sinn und musikalischen Verstand umgesetzt.
Punkte: 6/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.04.2013
Kelly Conlon
Mike Hrubovcak
Ryan Moll
Mike Heller
Pete Johannes (Violine), Sandra Laureano, Melissa Ferlaak Koch (Gastvocals), Bruce Layout (Saxophon), Jonah Weingarten (k), Jason Ian-Vaughn Eckert (Programming)
Selfmadegod Records
60:17
04.04.2013