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Destination Anywhere: Hier ist Godot

Stil: Ska/Punkrock

Cover: Destination Anywhere: Hier ist Godot

Huch, was ist mit denen denn passiert? Ist das wirklich noch die unterhaltsame Ska-Band, die 2010 mit „Party, Love & Tragedy“ ein kleines Hitalbum verzapft hat? Ist man nun auf dem Vollkornkekspädagogiktrip?

Sicherlich ist es lobenswert, dass man die gesellschaftlichen Missstände lautstark anprangert, und es ist immer schön, wenn Kritik und positive Messages in Songs verpackt werden, doch die Weltverbesserer-Attitüde, die DESTINATION ANYWHERE auf ihrem neuesten Album an den Tag legen, trieft nur so vor Plakativität, vor Mümümü und Nänänä, vor Oberlehrerhaftigkeit und verkrampfter Ironie, der Zeigefinger ist dem Priapismus nahe.

Facebook ist böse, die Partygesellschaft übernimmt die Kontrolle, Nicht die anderen sind schuld, hach nee, such die Schuld bei dir, Sich anpassen ist doof, aber sich den Konventionen entziehen auch, und so weiter und so fort. Da WILL man ja direkt als Arbeitstier funktionieren, Partys feiern und bei Facebook Posten, dass man gerade strullen gehen war.

Die musikalische Originalität ist zwar noch immer da, doch die geht im mittlerweile sehr glattgebügelten, entkanteten, polierten Sound leider völlig unter - was live bestimmt wunderbar organisch rüberkommt, klingt auf Konserve nach Bausatz aus dem Blisterpack. Oder mit einem Wort: Aufgesetzt.

Außerdem darf bezweifelt werden, ob es wirklich eine so gute Idee war, komplett auf deutsche Sprache umzusatteln, denn hier gibt es noch einige Baustellen, an denen erst einmal gewerkelt werden sollte. Auch die Aussprache zehrt stellenweise stark an den Nerven, denn auch Sänger David ist offensichtlich ein Verfechter des „Hinten-im-Schulbus-Hocker“-„ch“. Aus einem „ich“ wird ein „isch“, aus einem langen „ich“ ein „eeeeesch“, und ein „schlecht“ wird zu „schläscht“ - ist es so schwierig, entweder in normalem Deutsch ODER in Mundart zu singen? Udo Walz oder Dieter Bürgy lassen grüßen.

FAZIT: Ganz gleich, welche „destination“ die Jungs in Zukunft auch ansteuern mögen - es bleibt zu hoffen, dass „Hier ist Godot“ nicht das Wunschziel war. Denn ansonsten drückt der Rezensent lieber den „Haltewunsch“-Knopf.

Punkte: 7/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.02.2013

Tracklist

  1. Wenn du in Castrop-Rauxel nicht glücklich wirst, dann liegt das nicht unbedingt an Castrop-Rauxel
  2. Sommerkleid
  3. Am Ende ist doch niemand gern allein
  4. Molekularbiologie
  5. Warum denn nicht, wir sind doch jung
  6. Alles wird wie früher sein
  7. Kegelklub
  8. Kompaktseminar
  9. Alles was schön ist muss vorbei gehen
  10. Facebook
  11. Abstellgleis
  12. Pirat
  13. Warten auf Godot

Besetzung

  • Bass

    André Rüddigkeit

  • Gesang

    David Conrad

  • Gitarre

    Tim Klein

  • Schlagzeug

    Peter Stock

  • Sonstiges

    Philipp Schopp (Trompete), Christian Jüngst, Christoph Zimmermann (Saxophpn)

Sonstiges

  • Label

    Eigenproduktion

  • Spieldauer

    45:28

  • Erscheinungsdatum

    01.03.2013

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