Dass DIOs Konzeptalbum "Magica" seit Jahren schwer zu bekommen sein soll, wie, Niji, die Firma der Witwe des verstorbenen Ronnie, zur Rechtfertigung dieser Veröffentlichung kolportiert, ist einfach nicht wahr, wobei die angeblich 100.000 Einheiten, die man bis heute abgesetzt haben möchte, wohl vornehmlich in Europa über die Ladentheken gegangen sein dürften. Wie dem auch sei: Die zähe Scheibe kommt heuer im Doppel-Digi daher und enthält (hoffentlich) alle im Rahmen der Produktion abgeworfenen Songs sowie (natürlich) Lockmittel für solche Fans, die sich seinerzeit ums Sammeln der Exklusivitäten bemüht und garantiert dennoch nicht auf diese Tracks gestoßen sind.
Dabei handelt es sich um die fünf abschließenden, als Bootlegs aufgeführten Live-Songs, deren Soundqualität okay geht. Dass man ein Stück wie "As Long As It's Not About Love" in diesem Kontext hört, stellt zumindest eine Seltenheit dar, aber besser wird es durch die Bühnendarbietung nicht ... womit wir bei "Magica" an sich wären. DIO zeigen sich wieder "verstärkt" um Craig Goldy als Geschichtenerzähler, wie der Frontmann seinerzeit auch in Interviews betonte: Man wolle sich nicht mehr dem Zeitgeist anbiedern (was angeblich unter anderem mit "Angry Machines" geschehen sein soll) und schwelge deshalb hemmungslos im Fantastischen wie dereinst - egal ob man belächelt werde. Nun, das würde die Band auch aus heutiger Sicht, aber nicht unbedingt aufgrund des Konzepts, sondern wegen der bis auf wenige Aufnahmen schlichtweg statischen, langweiligen Musik. Faktisch warf das Album nur "Fever Dreams" als potenziellen Klassiker ab, der die Zeit seit der Erstveröffentlichung tatsächlich gut überstanden hat.
Die Geschichte, deren Verlauf man auf der zweiten CD ansprechend atmosphärisch erzählt nachvollziehen kann, wurde so verkopft und prätentiös in die halbseidenen Kompositionen (Goldy sollte nur noch in seiner Kirche Gitarre spielen) gebettet, dass sich diese kaum losgelöst davon hören lassen und ohnehin wie gesagt keine wertvollen Brocken musikalischer Substanz darstellen. "Annica" und "Electra" sind als Boni hinlänglich bekannt, so man sich nicht gerade nur am Rande für die Band interessierte, aber wenigstens das Booklet der Neuauflage lässt auf Liebe zum Detail schließen.
FAZIT: Man soll die Kuh melken, solange sie tot ist, und "Magica", nicht gerade eine Sternstunde im Schaffen von DIO, müsste ungeachtet seiner Qualität nicht neu aufgelegt werden, da man es jedenfalls hierzulande sogar in den üblichen Grabbelkisten der Elektro-Großmärkte entdeckt ... an einem bezeichnenden Fundort also.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 07.06.2013
Jimmy Bain
Ronnie James Dio
Craig Goldie
Ronnie James Dio, Craig Goldie
Simon Wright
Niji Entertainment
100:05
07.06.2013