Bands mit der Erstsilbe „Dis-“ stehen seit einem Vierteljahrhundert für exzellenten Edelstahl. Dass der Bandname an sich nicht automatisch musikalische Klasse garantiert, beweisen diesmal DISCREATION. Man stelle sich vor, IMMOLATION, VADER und AMON AMARTH treffen sich zum Picknick und spielen sich gleichzeitig Songs vor, die es nicht auf die letzten Alben geschafft haben, und man erhält einen ungefähren Eindruck vom Sound der Hessen.
Eine durchaus gute Grundsubstanz also, die nun wirklich keinen Verriss verdient hat. Dank einwandfreiem Sound und solider Schlagzeug- und Growlleistung gehen vor allem die amelodischen, polenorientierten Nummern anständig nach vorne los. Doch auch bei Songs wie „The Silence Of The Gods“ oder „Event Horizon“ fallen die zwei großen Schwächen der Band auf, die den Fünfer gnadenlos in der Masse der Death Metal-Veröffentlichungen untergehen lassen: Arbeit nach Schema F und begrenzter Einfallsreichtum.
Das beginnt bei den klassischen „We are the Dings, we are the Bums“-Texten und immer gleichen Songstrukturen und setzt sich im kompositorischen Gehalt fort. Riffs und Hooklines sind alles andere als markant (vielleicht ist es auch nur ein Zeichen früher Demenz, wenn ich mich eine Stunde nach jedem Durchlauf an nichts mehr erinnern kann …), es fehlt einfach der Pfiff, kleine Details und Variationen, die bei erneuten Hördurchgängen für Abwechslung sorgen könnten, und so ziehen sich einige Titel ziemlich in die Länge. Auch exponierte Schauplätze wie Solos bleiben ungenutzt, weil die Gitarrenfraktion im Leadbereich deutlich an ihre Grenzen stößt.
FAZIT: Man kann Death Metal auch originell spielen, ohne gleich progressive Anfälle zu bekommen. Das mag bestimmten Käuferschichten egal sein, solange die Härte stimmt. Für mich erfüllt „The Silence Of The Gods“ aber leider nicht viel mehr als dieses Kriterium.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.10.2013
Peter Frick
Kai Müller-Lenz
Dave Hübsch, Sebastian Schilling
Martin Engels
Remission Records
41:31
18.10.2013