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Reviews

Dungeon Rocks: Encounter

Stil: Hard Röckchen

Cover: Dungeon Rocks: Encounter

In jeder guten Beziehung kommt es mal zu Meinungsverschiedenheiten. Zwischen dem verdienstvollen Sireena-Label und mir ist es im Falle DUNGEON ROCKS soweit.

Der erste Eindruck: DAS hast du dir nicht zur Rezension gewünscht. Selbst unter Drogeneinfluss nicht.
Der zweite: Die Redaktion hat sich einen Aprilscherz erlaubt. Alle Instrumente zusammengekloppt, die in den Redaktionsräumen rumfliegen und flugs im feuchten Keller eine kleine Aufnahmesession gestartet. Die usbekische Praktikantin Ilonka, gerade heiser vom Fischmarkt zurück, wo sie samstags ihre Stimmbänder quält („Heute zwei Flundern zum Preis von Dreien, da greifen se zu das schmeckt lecker, es gibt noch einen Bückling lau dazu - alles für nur fuffzehn Euro“) darf singen. Chris haut mit gebrochenen Fingern eine Kohlezeichnung als Cover raus, und fertig ist der Stampfrock-Spaß zum Wochenende.

Irrtum. Blick ins Netz geworfen: „Encounter“ ist offiziell erschienen und auf Anhieb finden sich zwei Besprechungen. Positive. Der Rezensent erbleicht.

Der Hörtest: Die Anlage ist kaputt oder mein rechtes Trommelfell ist geplatzt. Keine Schmerzen. Also ist die Anlage schuld (wird später durch Vergleichstest ausgeschlossen), dass Urte Brügges Organ so linkslastig ist. Überholspur? So wie sie die Töne rauspresst ein naheliegender Verdacht. Da wird als Vergleich tatsächlich DORO bemüht. Viel dichter dran ist allerdings eine rachitische ANASTACIA mit argen Ausspracheproblemen. Marginal besser gelingen der Sängerin die deutsch gesungenen Lieder; dann versteht man allerdings auf Anhieb die Texte. Im ersten hat „Mutter Erde“ ganz schlimm ihre Tage oder zumindest einen heftigen Anfall von PMS, im zweiten Titel lügt der Wasserspiegel, dass sich die Hafenplanken biegen.

Ansonsten wird sich rechtschaffen über den katastrophalen Zustand der Welt aufgeregt; was ja völlig okay wäre, wenn der Zorn der Gerechten von adäquater Musik geschürt würde, statt von 08/15-„Losgeh“-Rock. Des Weiteren darf der finstere „Reaper“ die Gassen unsicher machen, und man wird wiederholt aufgefordert aufzustehen, um seine Rechte durchzusetzen. An diesem Punkt bin ich geneigt, mein Recht auf gute Musik wahrzunehmen und die CD sofort aus dem Player zu schmeißen. Vermutlich existiert dieses Recht nicht, und wenn man den anderen Rezensionen folgt, spielen DUNGEON ROCKS einen verdammt korrekten Old-School-Hard-Rock wie er Mitte der 80er bis in die 90er praktiziert worden sein soll. Da ist was an mir vorübergegangen (glücklicherweise).

Es gniedeln die Gitarren meist stumpfe Riffs und lendenlahme Soli, im Hintergrund kreist die Orgel mit Macht, wenn nicht sphärische Keyboardsounds das angestrengte Geschehen auf rätselhafte Weise konterkarieren (mit das Beste am Album). Die Ballade „A Day With You“ präsentiert ein hakeliges Piano und ganz viel Schmelz der altbekannten Sorte. Irgendwie erinnert die Gesangsleistung, nicht nur hier, an die frühen Erfolge der Kelly-Family, deren Frontleute sich manchmal bei eigentlich moderaten Songs fürchterlich aufregten bis die Stimmbänder schmerzten.
Neben einzelnen gelungenen Passagen ist „Crazy Day“ die rühmliche Ausnahme im weitgehend unerquicklichen Geschehen. Die Keyboards sorgen für die wuchtige Grundlage, vor der sich Gitarren, die pumpende Rhythmusgruppe und die knödelnde Sängerin auf simple, aber effektive Weise austoben können. Not bad at all. Macht den Rest aber nicht vergessen…

Der stoische Schlagzeuger bekommt leider nur eine pappige Soundkulisse verpasst; insgesamt klingt „Encounter“ wie eine Aufnahme unter jener Umgebungs-Einstellung der PC-Soundkarte, die sich „Badezimmer“ nennt.

Verabschieden wir uns ein wenig ratlos von diesem markerschütternden Hardrock-Ausflug; in der berechtigten Hoffnung, dass die nächsten Sireena-Outputs wieder für ungeteilte Freude sorgen mögen.

FAZIT: Als trashige Hard-Rock-Parodie funktioniert „Encounter“ halbwegs. Zu befürchten ist allerdings, dass die Band es ernst meint. Zumindest schauen die Musiker so finster auf den Bookletfotos drein wie jene Einheimischen, denen „Beim Sterben ist jeder der Erste“ die vermaledeiten Städter krumm kamen. Nicht nur Ned Beatty wird leiden… Aber keine „Duelling Banjos“, nirgendwo…

Punkte: 5/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.04.2013

Tracklist

  1. I Have To Run
  2. In The Eye Of The Hurricane Start
  3. Mutter
  4. The Reaper
  5. Unschuldiges Wasser
  6. Stand Up
  7. See You Again
  8. Crazy Day
  9. A Day With You
  10. Endless

Besetzung

  • Bass

    Thomas Lutter

  • Gesang

    Urte Brügge

  • Gitarre

    Heiko Frerichs, Marco Stanscheit

  • Keys

    Marco Brandt

  • Schlagzeug

    Heiko Engelbrecht

Sonstiges

  • Label

    Sireena Records

  • Spieldauer

    48:04

  • Erscheinungsdatum

    05.04.2013

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