Mit Anfang 20 blickt diese Gruppe aus Baltimore bereits auf eine rund fünfjährige internationale Karriere zurück. Nachdem sie auf ihrem selbstbetitelten Album alte Einzelaufnahmen kompiliert und mit dem Ausrufezeichen "Done So Wrong" debütiert hat, stellt sie mit "Lowlands" zum zweiten Mal ein geschlossenes Album vor.
Klassisch in A- und B-Seite aufgeteilt, entspinnt sich "Lowlands" als völlig konservative, überraschungsarme Stilübung in Sachen Seventies-Hardrock mit Blues-Schlag auf schmutzigen Fuzz-Fundament. Die Stücke von THE FLYING EYES bleiben aber spannend genug, weil die Musiker zahlreiche Stimmungs- und damit einhergehende Tempo- beziehungsweise Rhythmuswechsel erarbeitet haben, welche ihre Spielfreude hörbar machen. In diesem Rahmen liegen auch die Strukturen im grünen Bereich, sodass die Scheibe zu einem recht griffigen Vergnügen wird.
Der Gesang tönt zuweilen nach Kurt Cobain ("Rolling Thunder"), und so dreckig THE FLYING EYES auch sein mögen, musizieren sie doch edler als die ältesten Grunger, denn die beiden Klampfer solieren gerne und oft. Die ersten paar Tracks gehen als satte Mischung aus BLUE CHEER und frühen HAWKWIND durch, "Smile" ist unheilvoller Doom, dessen Spannungskurve keine Auflösung erfährt und somit verpufft (falls Kurven das können), "Alive In Time" swingt zu unauffällig, und mit dem psychedelischen Titelstück - der ersten hypothetischen B-Seite - gefallen sich die Macher zu sehr selbst, als dass ihre lakonischen Anwandlungen (zu floskelhaft, was auch für "Surrender" gilt: Klischees mit Frauengesang und Sitar) auf den Hörer übersprängen. Wie gesagt, es handelt sich um eine Stilübung, die mitunter nicht glaubwürdig genug anmutet.
Mit "Eye Of The Storm", einem zarten Garage-Entwurf mit sehr eingängigen Strophen, ist die Band wieder auf der Höhe, wohingegen sie sich bei "Comfort Machine" in unspannendem Genudel verliert. Anscheinend muss das eben so sein, wenn man sich sklavisch einem bestimmten Stil und mutmaßlichen Lebensgefühl andient. Andrew Stockdale hat jüngst bei ähnlicher Ausrichtung buntere Pillen in den Pulk geschmissen.
FAZIT: THE FLYING EYES machen zuerst ein Identifkationsangebot, sich an einer Vergangenheit zu erfreuen, die zwangsläufig nicht rekapitulierbar ist, auch nicht durch musikalischen Eskapismus. Danach folgen bei ihnen die Kompositionen an sich, mit welchen sie sich um Kreativität bemühen, allerdings gehemmt von der selbst auferlegten Einschränkung, wahlweise Blumenkinder oder Stoner im ursprünglichen (Cheech-&-Chong-)Sinn zu sein.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.07.2013
Mac Hewitt
Will Kelly, Mac Hewitt
Adam Bufano, Will Kelly
Elias Mays Schutzman
Noisolution / Indigo
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26.07.2013