Das neue Album des fast schon legendären Sängers und Liedermachers sieht aus, dauert so lange und klingt vor allem wie ein sehr altes: "Minute By Minute" ist die Soul- und R'n'B-Vollbedienung für Menschen, die zwanghaft und mit Wonne über die Schwelle von den Fünfzigern in die Sixties stolpern.
Hunter selbst tut dies gleichwohl nicht. Gemeinsam mit Gabriel Roth. der bereits Amy Winehouse auf den rechten Weg (zumindest musikalisch) brachte, hat er Stücke ersonnen, die das Beste von Motown bis James Brown vereinen. So ist "Drop On Me" ein zahmeres "I Feel Good", das Titelstück ein typischer Kiekser, wobei der Frontmann und seine elegant aufspielende Band weder wie altersgeile Böcke noch gewollt jugendlich wirken.
Balladeske Momente ("Heartbreak", "Let The Monkey Ride") tönen wiederum nicht nach vorzeitiger Rente, und Abschweifungen - mit "Gold Mine" etwa an den Broadway - sind in diesem Rahmen ebenso ausdrücklich erwünscht wie geschmackvoll verpackte Zitate der eigenen Vergangenheit ("The Gypsy"). So eignet sich "Minute By Minute" sowohl zum engumschlungenen Tanzen ("So They Say", "If I Only Knew") als auch zum Abhotten ... natürlich im gesitteten Rahmen wie schon anno dazumal.
FAZIT: James Hunter und seinen Zuarbeitern ist 2013 ein Album gelungen, das Fans von (vor allem) Van Morrison beziehungsweise den frühen THEM unbedingt haben müssen. Der Stil ist dabei zwar altbekannt, der Zugang der Musiker jedoch unstreitbar frisch, und die Umsetzung scheinbar mühelos authentisch.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.04.2013
Jason Wilson
James Hunter
James Hunter
Kyle Koehler
Jonathan Lee
Damien Hand, Lee Badau (Saxofon)
Fantasy / Concord / Universal
39:24
22.03.2013