Was ROXETTE nur mit einem Song gelang („Crash, Boom, Bang“) schaffen THE JOY FORMIDABLE über ein ganzes Album. Konsens-Pop, der nicht schmerzt, sondern das Herz erwärmt und ein Lächeln ins Grinsegesicht zaubert. Zumindest über weite Strecken.
Was immer das Wolfsgesetz auch bedeuten mag, dem Cover nach scheint es dem Tier nicht sonderlich zu bekommen, es ist nichts für eine eingeschworene Minderheit, sondern für’s Stadion. Hier wird Pop zelebriert zwischen Dream- und Power-, es wird jubiliert und geschmachtet, dass es eine Wonne ist; die Triobesetzung wird ausgehebelt mit klimperndem Klavier, himmlischer Harfe, einer stürmischen Streicherfront, die auch das Herz schon mal on gehen lässt („The Turnaround“) und vollem Softwareeinsatz. Kein Kleingedrucktes.
THE JOY FORMIDABLE zielen voll auf die Zwölf und landen bemerkenswert viele Treffer.
Manches geht auch daneben, meist wenn das Tempo angezogen wird und die Powerakkorde der wenig originellen Art kleine Erinnerungen an die RED HOT CHILI PEPPERS schnell vergessen machen („Bats“). Das anschließende Lullabye „Silent Treatment“ ist ebenfalls nur was für Hardcore-Emos mit Vergangenheit. Doch dann kommt der „Maw Maw Song“ und versprüht auch ohne großartige elektronische Spirenzchen hämmernde „This Town Ain’t Big Enough For The Both Of Us“-Atmosphäre. Die KILLERS gehören garantiert dem formidablen Fanclub an, und Brandon Flowers möchte bestimmt gerne Gesangsstunden bei Ritzy Bryan nehmen (STYLING- und Gitarrenunterricht sowieso).
Puttin‘ it on the Ritzy – die Frau kann’s, macht aus großen Jungs kleine und große aus den kleinen. Hier trägt Dream Pop seine Bezeichnung zu Recht; und am Ende zeigen sich THE JOY FORMIDABLE von ECHO & THE BUNNYMEN zu „Ocean Rain“-Zeiten inspiriert. Das ist stimmig und passt zu „Wolf’s Law“. Zu dessen Gesetzmäßigkeit gehört, dass nichts neu erfunden wird, keine extremen Grenzen ausgelotet werden, sondern mitten im Mainstream launig herumgetobt wird. Wobei eigentlich niemand mehr so genau weiß, wo der Strohm gerade verläuft. Eine Schaumparty in der ehemaligen Indie-Disco. Kopfüber reinspringen und sich wohlfühlen. Auch (oder gerade?) wenn die Badezusätze aus dem Discounter stammen…
FAZIT: Ein Album wie das pralle Leben: Voller Plattheiten, Clichés, Durchhänger, aber auch hymnisch, melodramatisch, jauchzend, mit Wumms und Streichern. Das wird kein Pop-Entwurf, der Massen und Medien traulich vereint, aber als Erinnerung daran, dass so etwas überhaupt einmal möglich erschien, ist „Wolf’s Law“ ein kleines Od. Die mitreißendste BLONDIE-Power seit Raider in Twix umbenannt wurde.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.01.2013
Rhydian Dafydd
Ritzy Bryan, Rhydian Dafydd
Ritzy Bryan
Matt Thomas
Joy Smith, Jorge Jimenez, James O’Toole, Emma Alter, Henrik Persson
Warner Music
54:02
18.01.2013