Nach ausgiebigen Tourneen rund um den Globus für die kurz nacheinander veröffentlichten sowie konzeptionell zusammenhängenden Alben "Heliocentric" und "Anthropocentric", steht mit "Pelagial" nun Album Nummer sechs des multikulturellen Kollektivs rund um Mastermind Robin Staps in den Startlöchern. Und THE OCEAN wären nicht THE OCEAN, würde es sich hierbei nicht um ein weiteres Konzeptalbum handeln. Kern dessen stellt diesmal die Reise von knapp unter der Wasseroberfläche bis hin zum tiefsten Punkt des Meeres dar. Die dabei passierten Tiefenzonen stehen in chronologischer Reihenfolge namentlich Pate für die Titel der 11 Kapitel von "Pelagial". Von Songtiteln zu sprechen wäre an dieser Stelle angesichts der Konzeption als ein einziges 53-minütiges Stück irreführend, wenn auch nicht völlig abwegig wie sich im Verlauf zeigen wird.
Nach dem atmosphärischen Intro "Epipelagic" kann die Tauchfahrt mit " Mesopelagic Into The Uncanny" beginnen und zeigt die Band von ihrer melodiös verträumten Seite. Luftig arrangiert nehmen THE OCEAN langsam aber kontinuierlich Fahrt auf. Diese Entwicklung erreicht in den beiden herausragenden Stücken " Bathyalpelagic II The Wish in Dreams" und " Bathyalpelagic III Disequilibrated", in denen das Kollektiv beweist, dass trotz aller kompositorischen Finesse und verstärktem Augenmerk auf atmosphärische Dichte auch das Gaspedal durchgetreten und so das metallische Ungetüm mit ordentlich Karacho in die Tiefe gejagt werden kann, ihren Höhepunkt. Besonders Drummer Luc Hess nutzt diese Steilvorlage und zeigt sich nicht nur variabel wie kaum ein anderer, sondern brilliert auch mit bewundernswerter Präzision, ohne dabei Gefahr zu laufen, nach einem überambitioniert programmierten Drumcomputer zu klingen.
Mit dem darauf folgenden "Abyssopelagic I Boundless Vasts" kehrt nach diesem Ausflug in härtere Gefilde wieder etwas Ruhe ein. Getragenes Tempo übernimmt das Ruder, während das Klangbild sich zunehmend verdichtet. Immer wieder werden Streicher und Klavier geschickt in die Arrangements eingewoben und verleihen den Stücken so noch mehr Tiefgang. Es zeigt sich zudem, dass es eine lohnenswerte Entscheidung war, mit Frontmann Loic Rossetti nach dessen Genesung nachträglich zum Songwritings- und Produktionsprozess erneut das Studio zu entern. Mit seiner bisher besten Gesangsleistung kreiert er das ein oder andere zusätzliche Highlight und schafft es so, das ohnehin schon hervorragende Material seiner Kollegen zu veredeln. Und so treiben THE OCEAN beharrlich weiter gen Meeresgrund, bis "Pelagial" mit dem finalen "Benthic The Origin of Our Wishes" doomige Gewässer erreicht und sanft auf dem Boden aufschlägt.
Trotz des umfangreichen konzeptionellen Hintergrunds vergisst es das Quintett nicht, zwischendurch auch für Songs wie "Abyssopelagic II Signals of Anxiety" zu sorgen, die nicht nur im Verbund ihre Wirkung entfalten, sondern auf sich allein gestellt funktionieren. Abgerundet von einer Produktion, die nicht nur in Sachen Aufwand ihres Gleichen sucht (Das Album wurde komplett am Stück mit einer Anzahl von 288 Audiospuren gemischt), klingt "Pelagial" einfach fantastisch. Jens Bogren (Opeth, Katatonia) hat hier ganze Arbeit geleistet.
FAZIT: "Pelagial" ist ohne Zweifel das bisher rundeste und in sich stimmigste Album der Bandgeschichte von THE OCEAN und verfehlt eine Auszeichnung mit der Höchstpunktzahl nur knapp.
Punkte: 14/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.04.2013
Louis Jucker
Loic Rossetti
Robin Staps, Jonathan Nido
Luc Hess
Metal Blade Records
53:18
26.04.2013