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The Quill: Tiger Blood

Stil: Hardrock

Cover: The Quill: Tiger Blood

Als THE QUILL in den neunziger Jahren begannen, hätten sie sich wohl nicht erträumt, mit ihrem nunmehr siebten Album praktisch dem Trend zu entsprechen, denn nachdem die Skandinavier lange als Insider-Tipp gehandelt wurden, könnte man sie jetzt im Grunde genommen als Retro-Helden hochjubeln ... aber so einfach möchte es die Band nicht haben.

Stilistisch korrigiert sie sich nämlich ein Stück weiter - beziehungsweise: Sie schert aus und klingt wie schon in Ansätzen auf dem Vorgängeralbum moderner oder je nach Ansicht vielmehr zeitlos, wobei sie sich einige geschmackvolle Blaupausen für ihre neuen Lieder zurechtgelegt hat.

Sänger Magnus intoniert in "Freak Parade" so cool wie MOTHER TONGUEs David Gould, und den LED-ZEP-Groove der Amis haben seine Hintermänner ohnehin schon längst adaptiert. Ferner meint man gelegentlich, Ian Astbury intonieren zu hören ("Sweet Rush"), aber klassischer (Finster-)Rock, der auf alte Herren schließen lässt, findet eigentlich gar nicht mehr statt bei THE QUILL; stattdessen transportieren sie ein entsprechendes Feeling ins Jetzt, wie es die Nachbarn MUSTASCH weitaus medienwirksamer tun, allen voran im orchestral arrangierten Glanzlicht "Purgatory Hill".

SOUNDGARDEN-Bezüge (das pathetische "Death Valley") erscheinen vor diesem Hintergrund hingegen beinahe obligatorisch, und Alternative bis Stoner - das bluesige "Go Crazy" könnte eine CLUTCH-B-Seite sein - wird vor allem im Hook-starken "Greed Machine" als Anknüpfpunkt zum Tragen.
Die mittlerweile bescheidenen, kleinen Allstar-Combo (mit ehemaligen Musikern von SPIRITUAL BEGGARS und HANOI ROCKS) mutierte Band entscheidet sich letztlich für den richtigen Weg der Abwechslung: "Darkest Moon" mit seinem verheißungsvollen Vorsatz "Land Of Gold & Honey" zählt wie das abschließende "Storm Before The Calm" (Chris Cornells Zwilling am Mikro?) zu den belebenden, leicht proggigen Höhepunkten auf "Tiger Blood", das sich insgesamt in keine Sparte fügen will und dennoch urvertraut klingt. Dies liegt wohl an den immerzu spannenden, jeweils mit Eigenkennung versehenen Kompositionen - und dies ist es, was man Szene-unabhängig am Ende des Tages hören möchte, nicht wahr?

FAZIT: THE QUILL gehören weiterhin zu den glaubwürdigsten Vertretern bewährter Tugenden der kernigen Gitarrenmusik und haben die Geschichte ihres Stils ebenso verinnerlicht, wie sie fürs Heute relevante Stücke schreiben können. Wer Hardrock mit allem Drum und Dran, aber nicht als reine Nostalgie-Veranstaltung hören möchte, muss die Band längst kennen. Mit "Tiger Blood" lässt sich allerdings auch gerne Nachhilfeunterricht nehmen.

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.05.2013

Tracklist

  1. Freak Parade
  2. Go Crazy
  3. Death Valley
  4. Getaway
  5. Greed Machine
  6. Purgatory Hill
  7. Land Of Gold & Honey
  8. Darkest Moon
  9. Sweet Rush
  10. Storm Before The Calm

Besetzung

  • Bass

    Roger Nilsson

  • Gesang

    Magnus Arnar

  • Gitarre

    Christian Carlsson

  • Schlagzeug

    Jolle Atlagic

Sonstiges

  • Label

    Metalville

  • Spieldauer

    43:45

  • Erscheinungsdatum

    24.05.2013

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