Nach der gleichnamigen EP liefern THE SLEEPER nun mit "Aurora" ihr vollwertiges Erstlingswerk ab. Dieses fällt zwar mit nur knapp über 30 Minuten Spielzeit etwas mager aus, hinsichtlich des komplexen Inhalts stellt dies jedoch eine akzeptable Dosierung dar. Es gilt also, keine Zeit zu verschwenden, und so lässt sich das Leipziger Quintett auch nicht lange bitten. Vier Snareschläge müssen als Intro ausreichen, bevor der akustische Höllenritt beginnt.
Stilistisch trifft moderner Death Metal mit progressivem Einschlag auf Hardcore-Vocals, ohne dabei in längst ausgetretene Metalcore-Pfade abzudriften. Zwar finden sich immer wieder derlei Trademarks in Form von Breakdowns und Clean-Vocals, jedoch nicht als tragende Säule des Sounds, sondern lediglich als weitere Facette. Für die Produktion konnte zudem mit Simon Hawemann nicht grundlos ein Mitglieder der Berliner WAR FROM A HARLOTS MOUTH gewonnen werden, finden sich doch hinsichtlich des teils chaotischen Songwritings diverse Parallelen zu den Hauptstädtern. Vertrackte Grooves, brachiale Breakdowns, versierte Tapping-Einlagen und komplexe Riffs geben sich in regem Wechsel die Klinke in die Hand und werden dank druckvoll sterilem Soundgewand hervorragend in Szene gesetzt. Besonders ans Herz gelegt seien an dieser Stelle die herausragenden Stücke "Paradigm" und "Terrestrial".
Mit "Aperture Adjustment: ...And Everyone's Asleep" findet sich jedoch auch ein Ausreißer nach unten auf "Aurora", der den ansonsten durchweg positiven Gesamteindruck trübt. Kann man über die Clean-Vocals im Titeltrack dank des nur kurzen Einsatzes noch wohlwollend hinwegsehen, bewegen sich diese hier, gepaart mit einem billigen Radio-Effekt, so hart an der Schmerzgrenze, dass einem nichts anderes übrig bleibt, als an dieser Stelle vehement die Skip-Taste zu malträtieren. Dies vermögen auch die durchaus netten Melodien gegen Ende des Songs nicht zu verhindern.
FAZIT: Mit "Aurora" ist THE SLEEPER die erste positive Überraschung des neuen Jahres im deutschen Extrem-Metal-Sektor gelungen, bei der sowohl Fans von MISERY SIGNALS als auch DESPISED ICON und Konsorten getrost ein Ohr riskieren dürfen.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.02.2013
Eric
Steven
Phil, Johann
Richard
Swell Creek Records / Soulfood
30:16
22.02.2013