Der Vorgänger "Different Kind Of Light" ist eines der wenigen Alben, die regelmäßig aus dem weiteren Country-Umfeld im Player des Rezensenten landen, und dies wird langfristig wohl auch mit der neuen Scheibe von THE STATESBORO REVUE geschehen, der vermutlich herzlichsten unter den nicht fast ausschließlich für Amerikaner greifbaren Genre-Vertretern (dünn gesät ...), denn "Ramble On Privilege Creek" - sich einen solchen Titel auszudenken, dazu wären die meisten Rotnacken zu blöde - ist ein berührendes wie unterhaltendes Album mit lautem Nachklang geworden.
Okay, nach hinten hinaus ("Love Run Easy", "Wildflower") wiederholen sich die Texaner ein wenig, doch davor schlagen die kraftvollen, warmen Umschläge "Another Day In Rome" und
"Fade My Shade Of Black", das jubilierende "Half Mile To Lincoln" - sich wiegend mit Orgel - und "Lil' Mary's Last Stand" mit Banjo beziehungsweise Fiddle erheblich zu Buche. Die akustische Komponente wird im Bild durch "Huck Finn" und das tieftraurige "Cold November" ausgeglichen, nicht zu vergessen das leicht europäisch (irisch mit Percussion) anmutende Glanzlicht "Isabella".
THE STATESBORO REVUE mögen ihren Traditionssound nicht allzu sklavisch interpretiert, weshalb letzteres weniger verwundert als die gleichmütige Haltung, welche die Gruppe hervorkehrt in Anbetracht des seit Jahren schon nicht mehr rosigen Status quo in ihrem Land, aber gut: Eigentlich müssten alle ach so nationalbewussten Musiker lamentieren oder aufbegehren, weshalb man nun eine Grundsatzdiskussion über politische Motivation von Musik lostreten könnte - eventuell fehlplatziert angesichts schlichter Hook-Freuden wie dem Refrain von "Live A Little" und dem leicht funkigen "Hands On The Sun", das zum Schluss doch noch einmal alles regelt - inklusive saftigem Gitarrensound, den man andernfalls nur noch im etwas garagigen "Till I Leave" vernimmt.
FAZIT: Mit "Ramble On Privilege Creek" ist THE STATESBORO REVUE erneut ein Ausrufezeichen variantenreicher Americana-Sounds mit sehr ansprechender Lyrik gelungen, die wir alle nachvollziehen und mitempfinden können - ein breites Spektrum an Stimmungen, eine bunte Palette nicht greller Stil-Farben.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.09.2013
Ben Bradshaw
Stewart Mann
Garrett Mann, Stewart Mann
Kris Schoen
Blue Rose / Soulfood
44:12
12.04.2013