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The Stranglers: Feel It Live

Stil: Psychedelic Punk Rock

Cover: The Stranglers: Feel It Live

Mit den STRANGLERS wird Punk endlich wieder zur richtigen Jugendbewegung: Drummer Jet Black steht kurz vor seinem fünfundsiebzigsten Geburtstag, und das Nesthäkchen Baz Warne zählt schlappe neunundvierzig Lenze. Zeit also für eine Rückbesinnung. Denn nichts anderes ist „Feel It Live“. Vorbei die Tage, in denen man mit Leadsänger Paul Roberts immer weiter in musikalische Gefilde voller belangloser Pop-Plattitüden abdriftete.

Gleich der kurze „Waltzinblack“ als Einstieg führt sofort in die nächste Whisky Bar und stellt klar: Im Jahr 2013 treffen die DOORS wieder auf lautstarken Punk, und ab geht die Lucy mit dem Eispickel direkt in Leo Trotskis Hirn. Das klingt erstaunlich frisch, ausgefeilter natürlich und nicht mehr so rumpelnd ungeschliffen wie auf dem frühen „Live (X-Cert)“-Mitschnitt. Reifer halt, aber kaum weniger mitreißend. Warnes rotziger Gesang passt besser zur Band als der seines Vorgängers Paul Gilbert; nach heiserem Würger klingt immer noch Bassist Jean-Jacques Burnel, wenn er das Mikrophon übernimmt.

Die rüden Texte werden heute natürlich keine Entrüstung mehr entfachen, bestenfalls historisches Interesse („Ey Alder, wer ist denn dieser Leon Trotzky?“ „Anscheinend ein Kumpel von irgend ‘nem Lenny und und so’nem Tey-Mex-Typen namens Sancho Pansa.“ „Aber das mit dem Eispickel und den brennenden Ohren hört sich krass an. Ist das aus ‘nem Tarantino-Film, so splattermäßig?“ „Kein Plan. Lass ma googeln.“). Don Quichotte und Lenny Bruce hätten ihren Spaß daran.

Für die reine Drei-Akkord-Lehre des frühen Punk waren THE STRANGLERS seit jeher zu komplex (und keyboardlastig), auch hier wird der ruppige Rock um Blues-Elemente und einen Hauch Psychedelik angereichert. Konsequenterweise wird auf die Hits „Golden Brown“, „Strange Little Girl“ oder „Always The Sun“ verzichtet, stattdessen wird 21 Stücke lang auf Brettern getanzt aus denen früher Barrikaden errichtet wurden. „Nice 'n' sleazy, Nice 'n' sleazy does it, Does it every time.” Sie können’s noch. Nicht nur (fast) unplugged wie beim Bonus zur ordentlichen letzten Studio-LP “Giant”, sondern ungestüm, lärmend und trotzdem mit Gefühl.

FAZIT: Kein bisschen altersmüde. „Feel IT Live“ eignet sich für Einsteiger wie Fortgeschrittene, zeigt es doch die STRANGLERS in bestechender Form und macht Lust, die frühen Alben wieder mal aufzulegen. Ob’s am frischen, nicht mal fünfzig Jahre alten, Blut Baz Warnes liegt oder daran, dass es einfach an der Zeit war, sich wieder auf die alten Stärken zu besinnen ist ziemlich egal. „Feel It Live“ zeigt auf angenehm unverbrauchte Weise, warum THE STRANGLERS (auch nach etlichen Fehltritten) Bestand haben. Nicht nur „No More Heroes“ ist zeitlos aktuell… Und die Setlist ist klasse!

Erschienen auf www.musikreviews.de am 25.07.2013

Tracklist

  1. Waltz In Black
  2. Burning Up Time
  3. The Raven
  4. Lowlands
  5. Hanging Around
  6. Unbroken
  7. Time Was Once On My Side
  8. Sometimes
  9. Giants
  10. Peaches
  11. Mercury Rising
  12. 5 Minutes
  13. Relentless
  14. Lost Control
  15. Something Better Change
  16. Freedom Is Insane
  17. No More Heroes
  18. Boom Boom
  19. Nice ‘N Sleazy
  20. Duchess
  21. Tank

Besetzung

  • Bass

    Jean-Jacques Burnel

  • Gesang

    Baz Warne, Jean-Jacques Burnel

  • Gitarre

    Baz Warne

  • Keys

    Dave Greenfield

  • Schlagzeug

    Jet Black

Sonstiges

  • Label

    earMUSIC/Edel

  • Spieldauer

    76:54

  • Erscheinungsdatum

    12.07.2013

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