Die beiden Schwestern N’gone und Boussa - erstere sang bereits für MANDO DIAO und Näselnerv Jan Delay, letztere ist Radiosprecherin - bewegen sich mit ihrem poppigen Soul auf einem höheren Niveau als die Bling-Bling-Erscheinungen in den Charts.
Mit Allround-Musiker und Produzent Jerry Schmidt Jr. (Lisa Bassenge, Stuart Staples) haben die Geschwister ein sehr natürliches und logischerweise stark amerikanische geprägtes Album aufgenommen. "Big Chair" mit seinen fetten Bläsern weckt genauso wie das funkige "Say Yeah Yeah" Assoziationen zu den alten Motown-Schoten, "The Whatever" hat in Sachen Arrangement etwas von den frühen BEATLES, und das rauchige "Oh Darling" hat fast etwas von Ella Fitzgerald.
"Mercury" und das Titelstück schwenken eher in Richtung Indie Pop, letzteres nachgerade experimentell und dadurch zumindest für diesen Hörer eine besondere Empfehlung wert. Gospel-Anklänge wie "Every Single Day" und "That Song" sind vor diesem Hintergrund indes genauso zu erwarten wie der urbane Schmeichler "Nature". Die Klangfülle von "Ko Ok" ist aber beachtenswert, die Umsetzung edel, und das Songwriting dankenswerterweise weder platt noch bewusst auf Verkaufszahlen ausgerichtet. Geht im Radio nicht auf den Sack, dieses Zeug, und das will in Anbetracht der abgründigen Qualität unserer Sender etwas heißen.
FAZIT: THE THIAMS lassen an die Guten ihrer Zunft denken: in Deutschland Joy Denalane und international vielleicht Alicia Keys. Wenn man den Xavier Naidoos dieser deutschen Pop-Welt mit "Ko Ok" das Maul stopfen könnte, sollte man es gleich im Dutzend kaufen.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.02.2013
Ko Ok Entertainment
55:34
25.01.2013