Im Pub steht der Rauch, auf dem Tisch deuten mehrere leere Gläser auf einen spaßigen Verlauf des Abends hin, im Nebenzimmer wird Dart gespielt und an der Bar wird lauthals nach Nachschub für durstige Kehlen verlangt. In diesem Bild fehlt vor allem eins: Irish Folk, der aus den Boxen der Anlage schallt. Und da es von Musik dieser Gattung, insbesondere in Pubs, gar nicht genug Bands, Songs oder Vielfalt geben kann, liefern THE TOSSERS nach 20 Jahren Bandgeschichte nun ein neues Album namens „The Emerald City“ nach. Bands aus dieser Kategorie gibt es viele, gerade auch in verschiedenen Ausprägungen: Legen beispielsweise die DROPKICK MURPHYS einen stärkeren Fokus auf die Verbindung mit Elementen aus rockigen Genres, gehen THE TOSSERS den traditionelleren Weg und setzen verstärkt auf den Einsatz von Banjo, Mandoline oder Tin Whistle, um musikalisch näher am überlieferten Material zu bleiben. Textlich geht es hauptsächlich um den Konsum alkoholischer Getränke, beziehungsweise die damit verbundenen Erinnerungen an die Tage und/oder Abende. Außerdem wird die Heimatverbundenheit mehrfach zum Ausdruck gebracht, beide Elemente gerne auch in Verbindung. Über fast alle Songs wird nicht vergessen, die Melodien und Texte, besonders an relevanten Stellen, möglichst einprägsam zu halten, um das Mitsingen schon beim ersten Hören zu ermöglichen. Das und das einsetzen von Ohrwürmern gelingt auch über weite Strecken- gerade "Wherever You Go" ist ein sehr starker Song. Das ist zwar alles nicht neu oder überraschend, wird aber durchgehend auf einem konstant hohen Niveau präsentiert, sieht man vom ein oder anderen etwas schwächeren Song einmal ab.
Die Betonung im Gesang ist an manchen Stellen zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, hat sich aber für mich, wie bei FLOGGING MOLLY, nach einigen Durchläufen erledigt und ins stimmige Gesangsbild eingefügt. Stimmig insbesondere deshalb, weil die Instrumentalfraktion ihren Job verdammt gut macht. Gerade bei „The Fermoy Lasses And Sporting Paddy“, das sowohl den längsten Liedtext des Albums als auch den geringsten Textanteil im Song aufweist (nämlich gar keinen), macht es einfach Spaß, zuzuhören und dabei das nächste Pint einzuschenken.
FAZIT: Sehr guter, wenn auch nicht großartiger Irish Folk, der Vorfreude auf den demnächst anstehenden Paddy’s Day macht. Sláinte!
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.03.2013
Peter Muschong
Tony Duggins
Mike Pawula
Bones
Aaron Duggins (Whistle, Akkordeon), Rebecca Manthe (Violine)
Victory Records
40:13
05.03.2013