Natürlich hört man den TRUFFAUTS nicht an, dass sie mitten aus Deutschland kommen. Schließlich verbirgt sich ja hinter dem Namen dieser Nürnberger Band auch der weltbekannte Regisseur FRANCOIS TRUFFAUT und hinter dem ersten Album „Fanny“, das nunmehr stolze 26 Jahre auf dem Buckel hat, auch noch die Truffaut-Lebensgefährtin. Liest man allerdings die Namen der Musiker, dann wird man nachdenklich – verdammt frankophiler Klang. Und bereits auf dem ersten Song dieser EP ist klar: Wer so akzentfrei französisch zu singen vermag, der muss auch französische Wurzeln haben. Und dieses frankophile Gefühl, das sich sofort auf diesem gelungenen Popsong mit leichtem Chanson-Charakter breit macht, wünscht man sich dann sicher auch die gesamte EP lang. Denn „La Belle Et La Bete“ versprüht stellenweise sogar den Charme von „Je T'aime“, dem unvergessenen Erotik-Musik-Klassiker von SERGE GAINSBOURG & JANE BIRKIN. Und vielleicht verstehen wir sogar, dass das ROLLING STONE MAGAZIN die Nürnberger noch als ihre „Lieblings-Frankophilen“ bezeichneten, die „spröde, charmante, linkische, melancholische“ Musik darboten.
Doch was bitte will mir dann „Significant Sleep Inertia“ vermitteln?
Zumindest nicht im entferntesten mehr den Rolling-Stone-Eindruck!
Plötzlich erklingt Dum-Da-Da-Indie-Rock der Marke PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB in der Proberaumphase beim Warmspielen! Ne, sowas passt nun wirklich nicht und ist außerdem noch deutlich schlechter produziert als die Einstiegs-Ballade. Das ist ein Bruch, der eher zum Brechen als zur Neugier anregt. Überhaupt hinterlässt diese EP nach ihren knapp 20 Minuten Laufzeit einen sehr zwiespältigen, unausgegorenen, absolut enttäuschenden Eindruck.
„Living Ain't Easy“ klingt wie der Versuch, die gescheiterten Pop-Eskapaden des ELECTRIC LIGHT ORCHESTRAs in den 80er Jahren wiederzubeleben und ist bereits nach wenigen Minuten, gerade des unambitionierten Gesangs wegen, zum Scheitern verurteilt, auch wenn THE TRUFFAUTS mit vielfachen Huhuhus den Song beenden. Viel Gitarre trifft hier auf immer weniger Ideen – nach wirklichen Melodien, die im Ohr hängen bleiben, sucht man vergeblich.
„Casse-Toi“ und „She Stole My Heart“ bestätigen am Ende nur den traurigen Eindruck, den diese EP ab Titel 2 mit Nachdruck hinterlässt: überflüssig, lieblos und garantiert auch im Rolling Stone eher Anwärter auf einen Rohrkrepierer als auf eine frankophile Lobeshymne.
FAZIT: THE TRUFFAUTS fabrizieren gitarrenlastigen Indie-Rock, im dumpfen Klang-Gewand, den in dieser Form auch ein paar x-beliebige Garagen-Rock-Bands nicht viel schlechter hinbekommen hätten.
Punkte: 6/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.05.2013
Jean-Jacques Boucher
Jean-Jacques Boucher, Ronald Chateauroux, Oliver Durange
Ronald Chateauroux, Oliver Durange
Alexandre Coupe
Julie La Colline (Guest Vocals)
TP9 Records
19:54
29.03.2013