Symphonischer Neo-Prog aus Norwegen – dem Land der entspannten Naturliebhaber, der muss doch auch irgendwie so ähnlich wie dieser Menschenschlag klingen. Natürlich, entspannt, besinnlich und irgendwie genauso fließend wie die vielen Wasser, die es umgeben. Genau – so klingt symphonischer Neo-Prog aus Norwegen!
Ach so, und nun gibt’s sogar noch eine neue Erkenntnis dazu – in Holland drehen sich die Windmühlen im Winde, in Norwegen auf dem Plattenteller oder im CD-Player. Gleichmäßig, mal etwas schneller, etwas langsamer, aber immer im Kreise. Womit wir auch schon beim zweiten Album der norwegischen Symphonic-Progger THE WINDMILL wären, für das sie sich nach ihrem Debüt „To Be Continued...“ immerhin drei Jahre Zeit ließen, damit sie zumindest das Versprechen des ersten Albums erfüllen konnten. Also ist es kein Wunder, dass der erste, dem Album seinen Namen verleihende Instrumentaltitel auch „The Continuation“ (Die Fortsetzung) heißt und sich langsam, immer lauter werdend, so als drehe da jemand den Lautstärkeregler langsam immer höher, in den Boxen breit macht. Klavier und Flöte bestimmen die Einstiegsminute, bis dann Schlagzeug und E-Gitarre die Führung übernehmen. Schon hier glauben wir nicht etwa eine Windmühle, sondern mehr ein musikalisches Tier namens CAMEL vor uns zu haben. Ein Gedanke, der uns bis zum Ende von „The Continuation“ - also dem Stück und dem Album – nicht mehr los lässt.
Begeben wir uns nunmehr in die kreisenden Bewegungen von THE WINDMILL, die sich beständig zwischen PENDRAGON, CAMEL und etwas IQ drehen und mit ihren Texten sehr kritisch die unangenehmen menschlichen Eigenschaften beleuchten, egal ob diese sich um verlogene Maskenträger, Väter, die sich nicht um ihre unehelichen Kinder sorgen, den Verlockungen des Geldes Erlegene oder von der Spielsucht Abhängige drehen. Doch so kritisch die Texte auch klingen mögen, die Musik hinkt in ihrer zu intensiven Gleichförmigkeit den Textaussagen doch ziemlich hinterher. Und selbst wenn sich dabei gleich drei Musiker am Gesang versuchen, so bleibt es am Ende nur ein Versuch, aber kein wirklich bleibender, bedeutender oder eindrucksvoller. Am Ende Musik, die so ähnlich klingt wie das Bild auf dem Cover, übrigens von der Frau des Keyboarders gestaltet, aussieht – naive, aber schöne Kunst. Man wirft einen Blick darauf, erfreut sich an Farben und Motiv, aber vergisst es schneller wieder, als es einem lieb ist. Ganz Ähnliches gilt auch für dieses Album von THE WINDMILL. Da hilft selbst der kurze Ausflug in den Honky-Tonk-Jazz im letzten Longtrack nichts mehr, bei dem man kurz glaubt, jetzt müsste plötzlich UDO LINDENBERG auftauchen, um „Alles im Lot auf dem Riverboot“ zu singen – der Gesamteindruck bleibt mehr ermüdend als aufregend. Und das Boot schippert gemächlich über die stille See.
FAZIT: So schön und zugleich langweilig kann die Kombination aus symphonischem Rock und Neo-Prog klingen. Die neoprogressive Windmühle aus Norwegen dreht sich im Kreis – leider!
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 15.06.2013
Arnfinn Isaksen
Jean Robert Viita, Erik Borgen, Morten Clason
Erik Borgen, Stig André Clason, Morten Clason
Jean Robert Viita, Morten Clason
Sam Arne Nøland
Morten Clason (Flöte)
Eigenvertrieb / Just For Kicks
53:21
31.05.2013