Bevor David Gold einen tödlichen Autounfall hatte, nahm er mit seinem Gitarristen das Demo "Canada 2010" unter dem Namen THRAWSUNBLAT auf, wobei er nur als Schlagzeuger fungierte. WOODS OF YPRES sind nach seinem Tod nicht mehr, doch die ehemaligen Mitglieder machen weiter, indem sie sich an der Frühphase ihrer alten Band orientieren und dabei ein schwindelerregendes Niveau halten.
Natürlich spielen die Kanadier Musik, die man der Pagan-Szene zuweisen könnte, um der Band damit keinen Gefallen zu tun, denn sie ist weder so dilettantisch und unwissend mit Bezug auf die Metal-Historie wie das Gros der Szene-Kapellen, noch präsentiert sie ihr Material derart grell und dem Kontext organischer Rockmusik enthoben wie etwa WINTERSUN. "Lifelore Revelation" und das Titelstück stellen die vordergründigen Hymnen des ansonsten progressiv mäandernden Albums dar, dessen Stücke aber jeweils für sich genommen ungemein kompakt anmuten: Jeder Ton hat seine Berechtigung, keiner ist zu viel.
Unverzerrte Breaks stehen fast symphonisch anmutende Gitarren-Kaskaden gegenüber, und die sehnsüchtigen Chöre, überlagert melodischer wie knorrig heiserer Einzelgesang gehören schon jetzt zu den unverkennbaren Trademarks von THRAWSUNBLAT. Die Passagen im Zweivierteltakt ("View Of A Million Trees") müssten Fans des unsäglichen Humppa-Sounds, der immer noch nicht aus den Metal-Charts zu bekommen ist, eigentlich runtergehen wie Öl. Mit "Goose River" und "Maritime Shores" sind passenderweise auch reine, betörend schöne Folk-Songs vertreten, ersteres eine Eloge auf einen Verstorbenen, Pipes und Fiddle inklusive. Dass Rae Amitay CASTLE im Portfolio stehen hat und einst Teil des tollen Duos MARES OF THRACE war, hört man ihrem Spiel an, denn sie ist kein typischer Schwarzmetall-Klopfgeist (kann es aber sein - höre das urwüchsige "Borea") und lässt Violettes Kompositionen noch differenzierter klingen, als sie ohnehin bereits sind.
So changieren THRAWSUNBLAT zwischen Lebensfreude (!) und verdrossenem Aufbegehren. Das walzende "Once Fireveined" tönt ebenso erhaben wie das Orgel-Intro "Elegy Across the Silence" zum getragenen "Song of the Nihilist". "Bones in the Undertow" kommt entschlackten BLIND GUARDIAN sehr nahe, und man glaubt beinahe, den Rolf Kasparek an der Gitarre zu hören, der sich "Black Hand Inn" aus den Fingern leierte. Beim kämpferischen Classic Metal "I Am the Viator" zum Schluss ist man je nach eigenem Gemüt entweder zu Tränen oder zum Tanzen geneigt - herausragende Scheibe.
FAZIT: Sollte in einem anderen Zusammenhang jemand von erwachsenem Black Metal mit irgendwie heidnischen, volksmusikalischen und naturmystischen Elementen schwadronieren, muss er die gemeinte Combo zuerst an THRAWSUNBLATs "Wanderer On The Continent Of Saplings" messen, einem Album mit Klassiker-Ambitionen, das AGALLOCH oder WOLVES IN THE THRONE ROOM nicht mehr hinbekommen.
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.03.2013
Brendan Hayter
Joel Violette
Joel Violette
Joel Violette
Rae Amitay
Jeff Motte (Fiddle)
Ignifera
59:42
15.03.2013