Das Comeback einer der ersten Prog-Metal-Bands Norwegens (höre den Kult-Sampler "A Gathering Of Eight Norwegian Prog Metal Bands") war satte sechs Jahre in der Mache und hätte schon 2006 erscheinen können, tat es aber nicht - aus von Band und Label nicht genannten Gründen, aber weitere sieben Jahre später geschieht es endlich. "Prison Of Light" hätte aber schon damals positiv antiquiert geklungen.
TRITONUS spielen ihren Prog noch so, wie man es während der Neunziger im Fahrwasser der gemäßigten FATES WARNING getan hat: zuträglicher Gesang, ein starker Focus auf Melodien und flächig eingesetzte Keyboards, wo es notwendig erscheint, denn im Vordergrund stehen Songs als solche, die in diesem Fall gleichwohl länger ausfallen mögen; Dreh- und Angelpunkt bleiben aber die Refrains. Die stärksten haben das an die Nachbarn von MEMENTO MORI ("La Danse Macabre") erinnernde "Demons" und "To Travel Without Motion", das positiv nahe am AOR schrammt.
Dies schließt andererseits nicht aus, dass TRITONUS technische Kabinettstücke (Bass-Tappings im Opener, rhythmische Haken im treibenden "Blindfolded") zeigen, indes immer im Dienste der Kompositionen, mit welchen sie oft den fließenden Übergang zwischen relativer Härte und anheimelnd unverzerrten Pars schaffen. Der Grundton von "Prison Of Light" ist ein dramatischer, nachzuvollziehen am besten im schleppenden, dann flotten "Remedy", wohingegen "The Mission" ein gelöste, fast jubilierende Seite hervorkehrt. Auf der Höhe der (zeitlosen?) Zeit befindet sich die Combo in ihrer Neigung, Motive in Stakkato-Form zu arrangieren, was ausnahmsweise weniger zu statischem Songwriting führt als einen bestechenden Kontrast zum harmonischen Moment setzt.
In dieser Hinsicht stehen "10.000 Years" und das zehnmitnütige "The Quantum And The Lotus" weit vorne, letzteres ein ob seines Chorgesangs beinahe theatralisches Glanzlicht einer Scheibe, die sich speziell im Fahrwasser der wiedererstarkten Genre-Spitze aus den Staaten prima hören lässt, ohne außerordentliche Alleinstellungsmerkmale hervorzukehren. So sperrig wie einst sind diese Skandinavier jedenfalls nicht mehr.
FAZIT: TRITONUS reihen sich mit ihrem neuen Album ins klangliche Ideal des klassischen Progressive Metal ein, ohne innovativ zu sein, was sie wohl auch nicht wollen. Rolf Kristensens Gesang verfügt über wunderbaren Schmelz und veredelt die durchweg verflucht wasserdichten Songs zu kleinen Genre-Perlen aus der zweiten bis dritten Reihe - wächst mit dem Hören ungemein.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.11.2013
Ole Devold
Rolf Kristensen
Carl August Tidemann, Thor-Axel Eriksen, Erik Devold
Lasse Finbråten
Mathis Dikkanen, Øystein Moe
TriTech / Indie
51:15
01.11.2013