Im Grunde könnte an dieser Stelle auch die Rezension von Kollege Joe A. zu "Vanitas" stehen. Hier und da mit einem leicht umgestellten Satzbau und gelegentlich abgewandelten Adjektiven, im Grunde jedoch mit dem exakt gleichen Wortschatz formuliert. Der geneigte Leser würde sich direkt heimisch fühlen, käme aber unweigerlich zum Schluss: "das habe ich schon einmal gelesen!" Sicher, jede neue Veröffentlichung verdient ihre eigene Rezension, doch wäre dieses Vorgehen geradezu Sinnbildlich für die akustische Darbietung namens "Desideratum".
Die elf vorliegenden Tracks lassen sich daher tatsächlich bündig mit einem Zitat aus eben jener Rezension zusammenfassen: "Infernalisches Überschall-Geholze trifft auf kranke und krankhaft verzerrte Vocals, dazu schrotet eine Gitarre tremolierte Riffs". Ergänzend müssten lediglich noch die mit fast schon sakraler Epik ausgestatteten Gesangseinlagen angeführt werden. Doch bei diesem Zitat bleibt es dann auch, denn ganz ohne Neuerungen im Gepäck kommt das infernalische Duo auch diesmal nicht daher.
Zugegeben, Elektronika waren stets Bestandteil des Sounds von ANAAL NATHRAKH, jedoch keineswegs in vergleichbarem Ausmaß. Mitunter verirrt man sich auf der Suche nach Innovation inmitten des ungestümen Chaos gar in dubstepeske Gefilde mit wüsten Breaks, Drops und allerlei mechanischen Einsprengseln. Doch das alleine genügt kaum, um den faden Beigeschmack einer - wenn auch handwerklich gut gemachten - Selbstkopie zu überdecken.
FAZIT: Für den einen Stagnation auf hohem Niveau, für den anderen schlicht ein 41-minütiges Déjà-vu. Losgelöst von der Diskografie muss "Desideratum" zweifelsohne Qualität attestiert werden, im Kontext betrachtet wurde die Apokalypse allerdings bereits gelungener vertont.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.10.2014
Mick Kenney
David Hunt
Mick Kenney
Mick Kenney
Mick Kenney
Metal Blade Records
41:10
24.10.2014