Mein Freund der Pressetext erzählt „von den Einflüssen von Joni Mitchell über Thelonious Monk bis Van Halen“. MONK geht klar, JONI MITCHELL halbwegs, immerhin hat HERBIE HANCOCK ein ganzes Album mit ihren Liedern gecovert, und er wäre tatsächlich ein Künstler, der ganz vorne in Bezug auf ANDY MLNE auftauchen würde. Aber VAN HALEN? Mag man nach suchen, dient aber vorzugsweise als Beleg, dass die Musik von ANDY MILNE & THE DAPP THEORY sehr vielseitig und offen ist.
Was man nicht mit austauschbar verwechseln sollte. Kantiger, drängender Jazz gehjt eine enge Verbindung mit diversen Spielarten des Rock ein, spielt geschickt mit der spoken-word-poetry des Hip Hop und bietet Raum für Folk, Weltmusik und elektronische Klangmalereien. Zusammengehalten wird der funkelnde Mix durch eine entspannte Wärme, für die, neben MILNE selbst am Piano oder Synthesizer, bevorzugt der hervorragend aufgelegte Aaron Kruziki an Saxophonen und Klarinetten sorgt.
Nach nervös-fiebrigem Beginn, wechseln sich ruhige und hektische Phasen ab, besonders Klavier und Saxophon beherrschen ein perfektes Zusammenspiel, sodass die ruhe nie schlafmützig und die schnelleren Passagen nicht nervig werden. Insgesamt präsentiert sich die Band als gut funktionierende Einheit, das Album zerfällt nicht in die Einzelteile seiner unterschiedlichen Einflüsse. So harmonieren Jazz, Rock, Rap, (armenischer) Folk wie selbstverständlich zusammen.
FAZIT: Fusion, wahrhafte Weltmusik – ganz egal wie man‘s nennt, „Forward In All Directions“ funktioniert tatsächlich in alle Richtungen. Ein ausgereiftes, komplexes, nie überladenes Album, klanglich, musikalisch und technisch. Ob solistisch oder im Verbund, ANDY MILNE und die DAPP THEORY liefern ein rundum stimmiges Werk ab.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.10.2014
Christopher Tordini
John Moon, Jean Baylor, Gretchen Parlato
Ben Monder
Andy Milne
Kenny Grohowski
Aaron Kruziki (saxes, clarinets, douduk, add. keyboard programming)
Whirlwind Recordings/Indigo
64:59
12.09.2014