Florian Kreier ist ein umtriebiges Kerlchen. Neben seinen Tätigkeiten als Journalist, Schriftsteller und DJ ist er musikalisch mit den Projekten/Bands L`EGOJAZZ und ALOA INPUT unterwegs. Wenn er nicht gerade solistisch als ANGELA AUX selbst benannten „New Weird Bavaria“-Stil praktiziert. Das klingt ganz putzig und umschreibt die fragilen Miniaturen auf „Sleep Well Folk“ ganz gut, auch wenn sich das „Bavaria“ auf die Herkunft des Musikers bezieht. Denn mit bayrischer Volksmusik hat ANGELA AUX nichts am Hut, mit Folk indes schon.
Auf dem zweiten Album des Chiemgauers findet sich ganz viel schwebender, leiser Pop, garniert mit Folk, der sich in der Welt der Musik zwischen Calypso und indischen Sitarklängen auskennt und heimelig bewegt. Dazu gesellen sich kurze elektronische Experimente, Ambientmusik und ein wenig VELVET UNDERGROUND-Balladenseligkeit, insbesondere beim sechsten Song „Jump The Sky“, inklusive Moe Tucker-Gedächtnis-Klingglöckchen. Ansonsten trifft die Umschreibung: ELLIOTT SMITH trifft auf BRIAN ENO die Musik von ANGELA AUX ganz gut. Textlich geht es mal nachdenklich, ironisch, lautmalerisch und gelegentlich schlicht albern zu.
Über weite Strecken funktioniert „Sleep Well Folk“ hervorragend. Die Melodien gehen gut ins Ohr, über allem liegt eine sanfte Melancholie, die mit einem Augenzwinkern statt mit Weinerlichkeit präsentiert wird. Das ist unaufgeregte Musik mit kleinen Spitzen und Höhepunkten, die Kitsch und dahinplätschernde Beliebigkeit vermeidet. Lediglich der mit Störgeräuschen zerhackstückte Schlusstrack nervt. Intendiert zwar als Hommage an ELLIOTT SMITH, aber wenig mehr als ein nicht besonders gelungener Gag am Rande.
FAZIT: In Bayern scheinen nicht nur Weisswürste und Weizenbier zu berauschen, sondern auch diverse Wildkräuter allzu intensiv genossen werden. Wirbt doch das Infopapier mit einem Bayern 2-Beitrag, in dem es allen Ernstes heißt: „Auf „Sleep Well Folk“ bleibt es weird, denn man erlebt die Geburtsstunde des Anti-Hypnagogic-Pop. Geht es beim Hypnagogic-Pop um den dämmernden Zustand, das Hinübergleiten vom Halbschlaf in den Tiefschlaf, geht es bei ANGELA AUX um’s Träumen und Aufwachen, um den Moment, wenn die Augen noch zu, aber der Geist weit geöffnet ist. Wenn alle Glücksgefühle entweichen und Platz machen für Sorgen, Ängste, aber auch für: die nötige Portion Ironie.“ So steht’s wahrhaftig geschrieben. Und bevor mir auch etwas entweicht, konstatiere ich wesentlich kleinformatiger: „Sleep Well Folk“ ist ein kleines, verträumtes, nachdenkliches Album, das, nicht nur in der Dämmerung und beim Aufwachen, offene Ohren verdient.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 06.01.2014
Angela Aux
Angela Aux
Angela Aux
Angela Aux, Franz Spenger, Paul Klumpner
International Bohemia
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22.11.2013